Taubertal Festival 2019

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„Oh Taubertal (oh Taubertal), oh Taubertaaal (oh Taubertal), wenn ich hier bin (wenn ich hier bin), dann macht das Leben Sinn (oh Taubertal).“ – Hard-Beat Chor der Sonntagmorgen-Messe auf dem Camping Tal Gelände.

Achja, irgendwie hat das Taubertal Festival im wunderschönen Rothenburg ob der Tauber für mich schon Tradition. Ein Muss für jede_n Festivalliebhaber_in. Ein traumhafter, schöner Ort, an dem einfach alles friedlich ist (okay fast alles, natürlich gibt es überall Idioten). Das schöne am Taubertal Festival ist unter Anderem auch, dass sie sich immer wieder Themen vornehmen, welche politisch bzw. sozialkritisch konnotiert sind. In diesem Jahr war das Motto für das dazugehörige Symposium „#metoo – die Rolle der Frau im Musikbusiness“. Ein Thema, das immer noch viel zu wenig Gehör bekommt.

In diesem Jahr konnten wir jedoch (krankheitsbedingt) nur dem Samstag und Sonntag beiwohnen. Dadurch haben wir am Donnerstag die legendären Russkaja verpasst und hatten am Freitag dann Glück im Unglück: auf Grund einer Unwetterwarnung musste das Festival um 21:15 Uhr unterbrochen werden. Dadurch konnten Bullet for my Valentine, The Offspring, Frittenbude u. A. nicht auftreten. Schade Schokolade. Hierbei lässt sich aber wieder einmal betonen, dass die Organisator_innen des Taubertal Festivals wie immer einen herausragenden Job geleistet haben, da ansonsten das komplette Festival quasi ohne Zwischenfälle verblieb.

Samstag

Die Vorfreude in diesem Jahr auf den Festivalsamstag war unendlich groß! Den Auftakt auf der Mainstage machten nämlich niemand geringeres, als die unglaublichen DONOTS. Obwohl sie in diesem Jahr Silberhochzeit (25 Jahre Bandjubiläum) zelebrieren, sind die Herren alles andere als eingerostet. Eine dermaßen energiegeladene Show sieht man mittlerweile nicht mal mehr bei Jungspunden des Punkrocks. Die Bandmitglieder sind zwar schon jenseits der 40 (was man ihnen absolut nicht ansieht!), haben das Gefühl ihrer Musik aber so in sich manifestiert, dass man davon in keiner Sekunde etwas merkt! Hier wird herumgesprungen, gelacht, von einer Empore in die Menge gehüpft und mehr als nur gezeigt, dass man für Punk-Rock niemals zu alt ist! Chapeau, die Herren, wie immer eine absolute Glanzleistung!

Anschließend wollten wir uns auch mal anschauen, was die Newcomer der deutschen Szene so zu bieten haben. Auf der Sounds For Nature Bühne spielten direkt nach den Donots im Rahmen des Emergenza Contests KEEP IT CLOSE. Die junge Kombo bezeichnet sich selbst als Post-Grunge Band, ich persönlich würde sie als solide Rockband bezeichnen. Wirklich Negatives kann man über die Landshuter Jungs nicht sagen, mich persönlich hat es einfach nicht gecatcht.

Zurück zur Mainstage gaben sich dann VON WEGEN LISBETH die Klinke in die Hand. Das die Musik Geschmackssache ist, darüber brauchen wir nicht diskutieren, aber die Entscheidung, diese Band auf der Mainstage spielen zu lassen, kann ich nicht verstehen. Die Bühnenshow ist simpel, aber gut gemacht, jedoch für derartig große Bühnen zu einfach. 2017 durfte ich die selbe Band auf der Sounds For Nature Bühne sehen und war begeistert. In diesem Jahr hatte ich das Gefühl, dass Von Wegen Lisbeth weitaus weniger treibende Songs dabei hatten und sich auf dem Erfolg der letzten Jahre etwas ausgeruht haben. Aber wenn man sich selbst als Band anmoderiert, die nur Songs über Essen und Getränke schreibt, braucht man sich eigentlich über nichts wundern.

Weiter auf der Mainstage ging es dann mit MADSEN weiter. Naja… Leider habe ich Bands, die auf der Bühne politische Statements „ablassen“, diese aber so vage wie möglich halten, damit man ja keine Fans verlieren kann, ein bisschen gefressen. Gerade in der heutigen Zeit ist ein klares Stellung beziehen und Kante zeigen enorm wichtig geworden. Immer mehr Bands versacken in Pathos und Prosa und versuchen sich so wenig wie möglich in irgendeine Ecke zu stellen. Madsen haben früher als politisch zumindest motivierte Band gestartet. Jetzt sind sie eine von vielen Bands, eine Band ohne klare Kante, ohne Farbe, sang- und klanglos in der Menge der Popindustrie. Ähnlich wie ihre Musik, aber wer nichts Nettes zu sagen hat, sollte lieber gar nichts sagen. So viel zu Madsen.

Zumindest war während der Show von Madsen kontinuierlich ein Lichtblick in Sicht: FRANK CARTER & THE RATTLESNAKES. Halleluja! Was in diesem Mann an Energie und Leidenschaft steckt, ist einfach unglaublich. Eine musikalische Glanzleistung kombiniert mit geballter Power, unendlicher Ausdauer, fast schon akrobatischen Bewegungen und einem Gesichtsausdruck, der zeigt: dieser Kerl hat absolut Bock auf das, was er da tut. Gleichzeitig, und davon bin ich ja ein riesiger Fan, macht er auf Missstände in der heutigen Welt aufmerksam, spricht die Probleme der heutigen Gesellschaft direkt an und auch die Probleme in der Musikszene. Frank Carter rief von der Bühne einen rein weiblichen Moshpit aus, damit auch die Frauen mal in Ruhe tanzen können ohne dabei angetatscht zu werden. Diese Show war mein absolutes Highlight auf dem Taubertal! Viel Liebe von mir <3

DSC_3985Und das Ganze, obwohl danach die FANTASTISCHEN VIER auf die Bühne kamen. Alter Schwede, ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, was ich dazu sagen soll. Es ist einfach wunderbar, dass die vier Vorreiter des deutschen HipHops immer noch gemeinsam touren, immer noch nicht die Schnauze voll haben und immer noch zeigen, dass HipHop&Rap nicht voll von Ausdrücken über weibliche Genitalien, Geschlechtsverkehr und Drogen sein muss. Immer wieder schön zu sehen. Mehr kann man dazu glaube ich kaum sagen. Schöner Abschluss für den Samstag.

Sonntag

Der Sonntagvormittag ging wie in jedem Jahr mit einem gemütlichen Frühstück und der anschließenden Sonntagsmesse los. Für alle regelmäßigen Taubertal-Besucher_innen, die auch noch im Tal campen, fast schon eine Pflichtveranstaltung. In diesem Jahr unter dem Motto „Segel Kompass Anker“. Der Priester gab eine wundervolle Predigt zum Besten, der Hard-Beat Chor sang Ständchen für die Gemeinde (von Celine Dion über Lady Gaga bis hin zu selbst geschriebenen Songs) und die neuen Jünger und Jüngerinnen wurden ihrer Festivaltaufe unterzogen. Es gab eine Hochzeit, die Eucharistie (in diesem Fall Metaxa-Cola) wurde unter den Jünger_innen verteilt und das kleine Mädchen neben uns belehrte uns ständig über die Gepflogenheiten der Kirche (wohlgemerkt mit einem Schild in der Hand auf dem „Gott segne dich(t)“ stand, früh übt sich oder so). Immer wieder ein lustiges Erlebnis.

DSC_4140Sonntags hat man immer ein bisschen Zeit über das Gelände zu schlendern und sich an den Ständen ein bisschen auszutoben. Und an welchen Ständen lernt man die sympathischsten Menschen kennen? Für alle, die jetzt an Essen denken: Nein. Es ist natürlich der „Kein Bock auf Nazis“ Stand. Mit Infomaterial, Shirts, Sonnenbrillen, Armbändern, Stickern und etlichem anderen Kram im Gepäck, standen die zwei Herren das ganze Wochenende auf dem Taubertal Gelände um politische Aufklärungsarbeit zu leisten, die heutzutage mehr als nur wichtig geworden ist. Während quasi ganz Europa einen deutlichen Schritt nach rechts gemacht hat (geschweige denn von den USA), gibt es unter uns immer noch Menschen, die sich täglich dafür einsetzen, diese Missstände zu beheben/ zu verbessern/ zu verändern. An dieser Stelle möchte ich nochmal deutlich darauf aufmerksam machen, dass ein jede_r von uns ein politisches Mandat inne hat, welches unbedingt wahrzunehmen ist. Damit meine ich nicht nur die Land- oder Bundestagswahlen, ich meine unseren Alltag. Viel zu oft wird immer noch weggesehen, wenn rassistische, faschistische, homophobe oder sexistische Übergriffe stattfinden. Zivilcourage scheint Vielen immer noch ein Fremdwort zu sein, jedoch müssen wir endlich zu dem Punkt finden, an dem wir alle unabhängig von Hautfarbe, Herkunft oder Geschlecht ein friedliches Miteinander führen können. Um so wichtiger sind daher Organisationen wie „Kein Bock auf Nazis“, die sich diese Aufklärungsarbeit zum obersten Ziel gemacht haben. Wir können nicht sofort die ganze Welt verändern, aber wir können endlich mal damit anfangen. Danke an dieser Stelle für eure tolle Arbeit. Ich bin und bleibe Fan.

Zurück zur Musik. Die Mainstage wurde am Sonntag von der Zweitplatzierten Emergenza-Band eröffnet (ich mag diesen Contest nicht, aber meine Ausführungen dazu, würden jetzt viel zu weit führen). L’ARAIGNÉE AU PLAFOND aus Frankreich. Eine Band, die zwar musikalisch sehr gut ist, aber gleichzeitig auch zeigt, dass man es wirklich übertreiben kann auf der Bühne. Ein paar bpm weniger und eine besser strukturierte Bühnenshow würde ihnen wirklich nicht schaden. Für mich persönlich war das Gesamtbild dieser Band (sehr auffällige Outfits, viel Make-Up, viel Brimboreum) einfach zu hektisch, zu stressig, zu viel. Ich wusste überhaupt nicht, wo ich hin gucken soll.

Interessant waren dann die Gewinner des Contests. ARATA aus Norwegen. Schlagzeug und Bass, kein Gesang, keine Gitarre. Aber von vorne bis hinten einfach gut. Sollte man im Auge behalten.

Für mich persönlich wieder ein Fehlgriff für die Mainstage: NOTHING BUT THIEVES. Sie sind gut, sie beherrschen ihre Instrumente, sie sind aber auch brutal langweilig und eintönig auf Dauer. War leider einfach nichts für mich.

Dafür kamen dann aber anschließend auf der Sounds For Nature Bühne die grandiosen ZEBRAHEAD auf die Bühne! Ach immer wieder schön, sie live zu sehen. Dazu bleibt eigentlich nicht mehr zu sagen außer: Zebrahead sind definitiv ein Must-have-seen für alle Konzertgänger_innen!

Was passiert, wenn man Hardcore, Emo, Elektro, HipHop und Metal in einen Topf wirft und einmal kräftig umrührt? Richtig, ESKIMO CALLBOY! Wer die Alben von Eskimo Callboy kennt, der weiß, dass so ziemlich jedes Lied eine eigene Überraschung für sich ist. Eine unglaublich interessante Mischung (wenn auch sehr Elektro und Pop-lastig in manchen Passagen), die tief emotionale Texte bis hin zu Feierhymnen alles mit sich bringt. Live ist das Ganze eine explosive Mischung, energiegeladen, Testosteronbetont, aggressiv, aber durchaus mehr als hör- und tanzbar. Macht auf jeden Fall Laune.

In diesem Jahr durften die legendären DIE TOTEN HOSEN das Taubertal Festival beenden. Als alte Punkrockerin habe ich sehr viele, sehr gute Erinnerungen an die toten Hosen. An die Show auf dem Taubertal leider eher weniger gute. Versteht mich an dieser Stelle nicht falsch, ich liebe diese Band, aber ich habe die toten Hosen noch in winzigen Konzertsälen sehen dürfen. Damals als sich noch das Publikum das Mikro von Campino geschnappt hat und einfach mal einen Song für ihn gesungen hat, während er sich ein neues Bier an der Bar bestellt hat. Auf dem Taubertal haben sie auch eine solide Show abgeliefert, aber ich hab mich trotzdem gefragt: ist das noch Punk Rock?

Alles in Allem hatte ich mal wieder ein wundervolles Wochenende auf dem Taubertal. Ich bin jedes Jahr aufs Neue von der guten Organisation überrascht und kann mich nur immer wieder auf das Folgejahr freuen. Viel Liebe für das Taubertal <3

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Dieser Beitrag wurde am von Anna veröffentlicht • Kategorie: Konzert Reviews • Tags: ,






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