Gareth Jones: Die menschliche Seite der Plattenproduktion

Gareth Jones am Mischpult

1982 nahm Jones die LP Bi Nuu der deutschen Punkband Ideal in Wien auf. Der Bandmanager schlug vor, das Album im Hansa Studio in Berlin abzumischen. Hiermit begann für Jones eine lange Zeit des Arbeitens und auch des Lebens in Berlin, die von 1983 bis 1992 reichte.

Hierbei kam es natürlich ebenfalls zur Zusammenarbeit mit einigen deutschen Bands und Künstlern wie z.B. Palais Schaumburg (Parlez-Vous Schaumburg, 1984), Thomas Fehlmann (Ready Made, 1985) oder Irmin Schmidt (Mitglied der Gruppe Can, “Impossible Holidays”, 1991) und eben auch mit Ideal bzw. mit Projekten der Humpe-Schwestern (Humpe Humpe, 1985).

Im Hansa Studio begann Jones damit, mit Aufnahmeatmosphären und der Methode des Samplings zu experimentieren. Bands, die er besonders damit beeinflusste, waren die Einstürzenden Neubauten (Halber Mensch, 1985, 5 auf der nach oben offene Richter Skala, 1987) und Depeche Mode (Construction Time Again, 1983, Some Great Reward, 1984 und Black Celebration, 1986). Hierbei arbeitete er mal als Toningenieur, mal als Co-Produzent, mal als Produzent.

Wenn du als Co-Produzent agierst, was sind deine Aufgaben? Geht es hauptsächlich darum, die „Betriebsblindheit“ des Musikers/Hauptproduzenten zu vermeiden oder bringst du auch deine eigenen Ideen ein?

„Co-Produktionen sind eine sehr interessante Sache. Da ist man Teil eines Teams, in dem man sich gegenseitig hilft und fördert. Es geht schon darum, eine gewisse Betriebsblindheit zu vermeiden. Aber es ist eine gegenseitige Angelegenheit. Ich helfe den anderen dabei, diese Blindheit zu vermeiden, und sie helfen mir dabei. Wenn man selbst zum Beispiel hauptsächlich technische Aufgaben übernimmt, während der andere den musikalischen Part übernimmt, kann es auch vorkommen, dass der zu mir sagt: Schau, das ist nicht wichtig! Was wichtig ist, ist, dass wir den Song schneller spielen. Wenn man im Team arbeitet, bringt jeder seiner Fähigkeiten ein und man hilft sich gegenseitig.“

1991 hast du den Soundtrack für Wim Wenders Film „Until The End Of The World“ aufgenommen. Was war an dieser Aufgabe anders als im Vergleich zur Produktion eines Albums einer einzelnen Band? Stellt es eine besondere Herausforderung dar, so viele verschiedene Bands und deren Songs auf einem Album zu arrangieren?

„Das ist ein kleines Missverständnis. Ich habe die unterschiedlichen Songs nicht aufgenommen und auch nicht arrangiert. Was ich gemacht habe, war, die Filmmusik an sich aufzunehmen und abzumischen.“

Ah, okay. Ich verstehe.

„Die Songs, die Wim Wenders für den Film ausgesucht hatte, wurden fertig produziert geliefert, sodass ich damit nichts zu tun hatte. Bei mir ging es nur um die Filmmusik an sich. Der Komponist kam mit den fertig geschriebenen Strings, Kammermusik usw., und das war es, was ich aufgenommen und abgemischt habe. Als der Film dann zusammengesetzt wurde, sich in der Endproduktion befand, hat ein anderer Ingenieur die Dialoge, die Filmmusik und die Songs der verschiedenen Bands nochmals abgemischt, um sie aneinander anzupassen. Damit hatte ich aber auch nichts zu tun. Ich war nur für die Filmmusik selbst zuständig. Aber das war eine wundervolle Erfahrung, und es war toll, mit Wim Wenders und dem Rest des Teams zu arbeiten. Das war wirklich aufregend, der Film war großartig, und es war eine fantastische Erfahrung, Musik Bildern zuzuordnen.“

Das war das erste Mal, dass du an einem Soundtrack gearbeitet hast, oder? Später sind noch andere Filme gefolgt.

„Ich habe zwei Filme mit Wim Wenders gemacht, und dann habe ich noch bei einem anderen mitgearbeitet, mit Nick Cave, in Australien war das. Der Film hieß To Have And To Hold, von John Hillcott. Dafür habe ich auch instrumentale Filmmusik aufgenommen. Ich bin auf dem Gebiet der Filmmusik nicht sehr bewandert, sodass es eine große Herausforderung darstellte, das zu machen, denn man muss dabei viele Wechsel, Details und Informationen beachten. Aber es ist sehr befriedigend, Teil eines solchen Projekts, eines Films zu sein.“


  1. Teil 1: Gareth Jones - Die menschliche Seite der Plattenproduktion
  2. Teil 2: Verschiedene Produktionsweisen
  3. Teil 3: Unermesslicher Erfahrungsschatz
  4. Teil 4: Junge Talente
  5. Teil 5: Spiritualität und andere wichtige Dinge

Dieser Beitrag wurde am von Lilian veröffentlicht • Kategorie: Interviews • Tags: , , , , , , ,






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