Im Gespräch: Punchers Plant

Punchers Plant haben wir hier kürzlich ja bereits vorgestellt. Jetzt hatten wir die Gelegneheit den Jungs ein paar Fragen zu stellen.

TrueTrash (TrTr): Wie lange kennt ihr euch schon? Wie seid ihr zur Musik gekommen?
 
Punchers Plant (PP): Wir sind 2005 das erste Mal zusammen im Bandraum gestanden, kannten uns teilweise aber schon vorher. Wir wohnen alle in der selben Gegend im Osten von München. Unser Weg zur Musik war ziemlich unterschiedlich. Bei einigen hat das schon im Grundschulalter angefangen, bei anderen erst später. Ich würde mal sagen: was uns damals zusammengeführt hat war der Wille, nicht nur Musik nachzuspielen sondern auch selbst zu komponieren. Der kreative Prozess beim Musik machen, das Schaffen von etwas Neuem war für uns neben den Liveshows eigentlich immer der Hauptantrieb, das Bandding durchzuziehen. Und damit haben wir eigentlich sofort nach der Gründung begonnen und über die Jahre eine gemeinsame Linie gefunden oder unseren eigenen Stil, wie man das auch immer nennen mag.

 

TrTr: Euer aktuelles Projekt ist die EP „Homesick“. Selbst aufgenommen, selbst produziert und jetzt gibt es das gute Stück kostenlos unter homesickep.com. War das nicht ein großes Verlustgeschäft?
 
PP: Hm, ob es ein Verlust ist hängt davon ab, wie man umgekehrt Gewinn definiert. Bei HOMESICK ging es uns von Anfang an ganz klar darum, so viele potenzielle Hörer wie möglich zu erreichen und gleichzeitig unseren treuen Fans aus der “State of Fear” Zeit ein Dankeschön auszusenden. Da haben wir den finanziellen Aspekt so gut es geht außen vor gelassen. Als wir dann festgestellten hatten, dass HOMESICK in sämtlichen Szeneblogs und Magazinen gefeatured wurde und schon in der ersten Woche über tausend Downloads alleine auf unserer eigenen Seite stattgefunden hatten, wussten wir, dass wir unser Geld gut investiert haben.

 

TrTr: Worum geht es bei „Homesick“? Was wollt ihr mit den Songs ausdrücken?
 
PP: Für uns bedeutet HOMESICK (to be homesick = Heimweh haben) die Suche nach einer geistigen Heimat. Wir fühlen uns in unserer Generation vollkommen fehl am Platz. Wo ist unsere Zukunftsperspektive? Warum stehen wir mit den Werten nach denen wir Leben oft alleine da? Wollen wir uns wirklich dem Streben nach Geld, Macht und Einfluss anpassen und mit ausgefahrenen Ellenbogen Karriere machen? Irgendwie stellen wir uns unser Leben anders vor und wissen nur nicht so ganz, wie sich das umsetzen lässt. Diese innere Zerrissenheit spiegeln die HOMESICK Songs wider. Unser meist abends und nachts stattfindendes Bandleben ist der krasse Gegenentwurf zu unserem Alltagsleben. Die Suche nach der geistigen Heimat ist eine Flucht in die Parallelwelt der Musik.

 

TrTr: Wie ist das Artwork für „Homesick“ entstanden? Auch komplett do-it-yourself?
 
PP: Genau, das Artwork ist wie nahezu alles an HOMESICK im D.I.Y. Stil entstanden. Wir haben da eine ganz gute Arbeitsteilung. Was die Albumproduktion mit Recording und Mixing angeht, so mach ich das in bei mir in den Equalies Studios. Homepage-Programmierung hat Jasper übernommen. Tja und Phil, unser Gitarrist, ist für Artwork und sonstige Photoshop-Orgien zuständig und hat mit dem HOMESICK Leuchtturm-Cover perfekt die Stimmung des Albums eingefangen. Die EP kann man nicht nur als mp3s, sondern auch als wav Dateien downloaden, eine CD brennen und das Cover aus dem Internet ausdrucken. Damit haben die Haptiker unter den Hörern was zum basteln. Viele Bands bieten online ihre Platte kostenlos an, aber wir wollten den Weg konsequent weitergehen und wirklich das Rundumpaket inkl. Artwork und Lyrics zentral auf der eigens programmierten www.homesickEP.com Seite anbieten.

 

TrTr: Ihr seid schon in ganz Deutschland auf der Bühne gestanden. Meistens habt ihr eure Gigs selbst organisiert. Wie läuft sowas ab? Ruft ihr einfach irgendwo an und sagt „Hi, wir sind Punchers Plant und würden gerne bei euch spielen“?
 
PP: Oh damit sprichst du den Punkt an, bei dem sich unter den aufstrebenden Bands die Spreu vom Weizen trennt. Wer da für sich sagt, dass das Bandleben doch nix für ihn oder sie ist, dem kann man echt keinen Vorwurf machen, haha. Das Booking ist so ungefähr die undankbarste und zeitraubendste Beschäftigung im Leben einer Band. Also ich erklär das mal am Beispiel der aktuellen Tour. Unsere Liste mit Konzertlocations umfasst an die 400 Clubs allein in Deutschland. Die schreiben wir (jeden persönlich!) mit einem schön gestalteten Booking Anschreiben samt aller wichtiger Infos an. Davon antwortet dann erstmal so gut wie niemand, weil die pro Tag an die 100 Anfragen bekommen. Dann geht es ans Telefon: Club für Club wird abtelefoniert, auf die Mail hingewiesen und mit ganz viel Glück kann man so auf sich aufmerksam machen. Wenn dann einige Veranstalter Interesse bekundet haben, geht es an die Terminplanung. Bis dann, wie in unserer aktuellen Herbst Tour, zwei Wochen mit ca. zehn Shows stehen, sind sechs Monate vergangen. Pro Show hat man inklusive Promo sicherlich 30 Arbeitsstunden oder mehr investiert. Aber wenn du dann im mit deinen besten Freunden auf die Bühne gehst und dir nach der Show jemand sagt, dass deine Musik ihr oder ihm wirklich viel bedeutet, dann weißt du wieder, weshalb du deine Freizeit da reingesteckt hast. Das Bandleben ist heutzutage nur was für Idealisten.

 

TrTr: Ihr durftet schon mit vielen großartigen Bands – wie Anti-Flag oder TurbonegrA – die Bühne teilen. Für wen würdet ihr gerne mal als Supportact auftreten?
 
PP: Puh, damit könnten wir jetzt wahrscheinlich ein Buch füllen. Strike Anywhere würde uns sehr reizen, das sind mega nette Typen. Hot Water Music wäre auch stark, weil das einfach eine Punkrock Legende ist. Von den neueren Bands wohl vor allem Atlas Losing Grip, weil deren letzte Platte der Überhammer ist und NoTrigger, deren neue Platte hoffentlich der Überhammer wird. Rise Against darf in dieser Liste natürlich auch nicht fehlen, vor allem, weil wir so mal in einer 6000er Halle spielen könnten.

 

TrTr: Was war das verrückteste oder aufregendste Erlebnis eurer musikalischen Karriere?
 
PP: Das aufregendste war sicherlich, als Justin Sane, der Sänger von Anti-Flag und einer unserer wirklich großen Helden zu uns kam und uns erzählte, er habe unsere Show gesehen und fände die Lieder total gut und möchte unbedingt in Kontakt bleiben. Wir sind jetzt ganz gut befreundet, ich habe ihn erst letztens wieder in München getroffen vor seiner Soloshow. Was die verrückten Dinge betrifft, so fällt mir das echt schwer. Auf Tour passiert ja eigentlich nur krankes Zeug. In Göttingens Fußgängerzone haben wir mal Flyer verteilt und aus purem Zufall dem Sänger von Stomper98 einen Flyer in die Hand gedrückt. Der kam dann abends wirklich auf die Show und hat ein Review für’s OX-Fanzine geschrieben. Ein anderes Mal kam einer nach der Show zu uns, der kein Geld mehr für ein Shirt hatte. Er wollte uns aber unbedingt was Gutes tun. Tja und dann hat er uns einfach einen RIESEN-Ballen Marihuana geschenkt. Das Problem war, das keiner von uns gekifft hat. Super war auch, als wir mal von den Bullen um 3 Uhr nachts aufgehalten wurden mit vollgepacktem VW-Bus. Die haben total rumgestresst und meinten, ich hätte Drogen genommen und wäre besoffen. In Wahrheit war ich stocknüchtern und einfach verschwitzt und total fertig vom Auftritt. Da war dann eh schon alles egal und ich habe ihm gesagt, dass ich in einer Punkrockband spiele, die Songs mit äußerst sozialkritischen Texten schreibt. Anstatt mich auf’s Revier mitzunehmen und ordentlich zu verhören meinte daraufhin der Beamte nur “Oh mein Gott, dann machen Sie, dass Sie davon kommen, bevor Sie uns hier noch was vorsingen”. Damit waren wir raus aus der Sache und ich musste nichtmal ins Röhrchen blasen.

 

TrTr: Was habt ihr euch für die Zukunft vorgenommen?
 
PP: Nun steht erstmal eine kleine Europatour inklusive diverser Promo- und Radiotermine an. Gleich danach schreiben wir die letzten Songs für unser neues Album. Dann gehen wir ins Studio und wollen im Frühjahr die Aufnahmen abschließen. Die nächste Veröffentlichung wird auf jeden Fall wieder konventionell erscheinen. Vinyl, CD und auf den Download-Portalen. Momentan sind acht Songs fertig, die wir großenteils auch auf der Tour präsentieren werden. Also besucht uns auf Tour!

 



Dieser Beitrag wurde am von Fabian veröffentlicht • Kategorie: Interviews • Tags:






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