DxBxSx – Wer will denn das

Eendeutig die zweete Seite. Ditt is eendeutig die zweete Seite, die mir bei der Scheibe mehr abholt. Ditt liegt vielleecht och ‘n bisschön dran, datt DxBxS ditt durchaus verstehen, de Lager zu teilen. Soll nich heeßen, da wär nich für viele wat dabei, die so uff ‘n bisschön Stoner und (lieg ick falsch?) so Schweenerock stehen oder ne bestimmte politische Grundhaltung ham. Spalten tut dat Janze aber, weil se och Punk sind: politisch, direkt, unmissverständlich. Ditt spaltet eben. Soll aber och heißen: mit de Art Texte können die eenen wohl mehr, de anderen wohl wenjer wat anfangen, weil se (tun wa ma unverfrorener Weese so als wärn ditt jenuine Berliner Probleme) ditt een oder andere bestimmte Problem (Gentrifizierung, Ignoranz der Polizei, permanent prekäre Lebenssituationen, Kinder und Familie, die Um-den-heißen-Brei-Tänze bestimmter Konzertveranstaltenden usw. usw.) ebenfalls jenau so oder so ähnlich kennengelernt haben und am eegenen Leib erfahren haben oder eben nich. Und ob diese janze Berliner Schnauze authentisch is, weeß ick nich. Hat aber oof jeden Fall Konzept. So und jetzt ist der Witz überstrapaziert. Es geht los.

„Deutschland du mieses Stück Scheisze“ hockt hässlich wie die verschwitzte Nacht und keifend wie ein schnurrbärtiger Eber genau richtig in Mitte und Zentrum des Albums. Da fackelt gewünscht buchstäblich und im übertragenden Sinne alles von innen heraus ab. Wir haben den 01. Juni 2017. Ich wiederhole es nochmal: „Deutschland du mieses Stück Scheisze!“.

Es geht weiter. Ich war bei der zweiten Seite. Der „Veranstalterblues“ entwickelt eine lässige Dynamik mit erst nur Gitarre und Gesang, dann steigt der Rest mit ein: fett. Zum Text: es geht um einen ganz bestimmten Veranstaltertypus. Aber da gibt es noch mehr stories. Deshalb, Jungs: Her mit „Veranstalterblues II“! Jede Band und auch alle Veranstaltenden selber haben da massig schräge Geschichten zu erzählen (Zu Veranstaltungs- und Bandtypen). Wer will denn das? Alle! Denn es muss irgendwo mal klug verpackt thematisiert werden. Aber Moment: irgendwie gehören die hier doch zum personellen Kern dazu: BLUTIGE KNIE (ebenfalls aus Berlin). „Mucker, Booker, Wichtigtuer“ hieß das Album. War nicht so meins, aber, sein wir ehrlich, das Thema „Veranstaltungswesen“ (egal ob DIY oder etwas kommerzieller) ist doch eher unterrepräsentiert in meisten neuesten Veröffentlichungen. Deshalb kleiner Zusatzbonus.

Es geht weiter. „Bleiben sie in Übung“. Deutschland. Land der Langeweile. Wo niemand gern lang rausgeht, kein Wagnis eingeht, niemals verrückt spielt, immer frisch gegelt ist, sich zügelt und taktiert, jeden Schritt berechnet und gegen DICH plant und wo allen immer wichtig ist, wie sie nach außen wirken und dass bloß keine in die Nähe kommen, die anders sind. Ein perfektes spießbürgerliches Realportrait. Eine klasse Momentaufnahme der Stimmung all jener die glatte Jobs haben.

„Zeitdieb“. Wer kennt sie nicht, diese Vollidioten, die es nicht auf die Reihe bekommen, dir als befreundeten Menschen so viel Respekt angedeihen zu lassen und sich an Absprachen halten, die mit ihrer Schlonsrigkeit permanent auf dein Verständnis bauen, weil sie wissen, Du kannst ihnen nicht böse sein. Mal ein Tipp an alle, denen es ähnlich geht/ging: lasst Euch nicht mehr ausbeuten verdammt nochmal! Klare Ansagen! Dieses Lied ist der Soundtrack dazu.

„Das Ganze geht von vorne los“. Ja, hier scheint es Familien in der Band zu geben. Text ist nicht besonders tief. Wenn ich so scheinbar typisierende Beispielnamen wie Kevin, Justin oder Jessica höre, will ich die Conclusio der Band dazu schon gar nicht mehr hören (Geschweige denn – ganz andere Band, ganz anderes Thema – wenn Bands solche Namen ganz klar als Negativfolie nehmen und sich auch noch danach benennen… Furchtbar… aber wie gesagt: gehört nicht hierher). In der Erziehung geht immer viel schief. Überall und zu jeder Zeit. Zum Glück fangen Köpfe irgendwann selber zu denken an (haha, „Denkt Bitte Selbst!“) oder fangen zumindest zu urteilen an und treffen selber Entscheidungen so wie’s ihnen grad passt. Namen sollten niemals Menschen machen. Wie immer gilt wohl: finde die richtigen Freunde, dann sind deine Eltern und wo Du herkommst und wie Du heißt relativ scheiß egal. (Ja, ja, ich weiß: Du naives Stück…)

So, feiern! „Kiez! Kiez! Kiez!“. Und wer kennt auch das nicht: (Punk)Bands spielen mitten in WGs oder dicht angrenzend an Wohnhäuser. Es ist weit nach 22:00. Michi, 32, aus dem 2. Stock kommt wutentbrannt herunter, kloppt sich an die Stirn und meint: „Seid ihr bescheuert?! Merkt ihr noch wat oder wie?! Ey, Musik aus! Ich zieh den Stecker und ruf die Bullen!“. Gesagt, getan. Die Herren und Damen aus der Wache kommen, verhandeln ein Leiser-Stellen und Einstellen des Konzerts oder gar nichts von beidem. Denn möglicherweise ist das Konzert auch schon rum, denn die Aufnahme des Vorgangs oben bei Michi nahm etwas Zeit in Anspruch, denn er hatte nach Luft ringend viel zu erzählen (dann wohl doch nicht sooo müde gewesen…). Auf der Party hingegen blieb mensch ganz locker. Immer locker bleiben! Ditt is Kiez! „Das – ist – unser – Haus…“ … den Rest kennt ihr.

Insgesamt: eine Band, die ich mir auf einem sonnigen oder vor Matsch triefenden Festival (igitt!) wohl am besten vorstellen könnte (oder eben in dem oben beschriebenen WG-Szenario). Wenn alle Quellen stimmen, sitzen unter den Bandleuten selbst Festival-Veranstaltende (keine Ahnung wer mir das geflüstert hat… ). Artwork is mir zu grell, aber da kann wer pfeifen drauf wer will. Is halt Geschmackssache. Passt aber wohl – ich will ja auch den Schleier der Objektivität wahren – gut zur Musik: giftig. Das Ganze also auch auf BAKRAUFARFITA RECORDS erschienen, dem bunten Potpourri. Genau da passen DxBxSx wohl auch gar nicht mal so schlecht rein. Leute, die bisher dort auf Veröffentlichungen gestoßen sind, finden auch zu DxBsX sicher irgendeinen einen Zugang. Mir sind DxBxSx etwas zu ‘rockig’, ‘stonerig’, ‘muckerig’, aber das ist eben deren Ding und das machen die hervorragend. Hört sich vermutlich am besten, wenn mensch sich von der Beschissenheit der Leute irgendwie kontrolliert abreagieren will (Selbstversuch ist geglückt). Die Texte haben keinen großen lyrischen Anspruch. Hier ist nichts schick und um die Ecke mit Nachsinn verpackt. Aber, herrje, warum auch?! Reden wie einem das Maul gewachsen ist. Sich bloß nicht verbiegen! Sympathisch, doch. Du kanntest DxBxSx nicht? Dann kanntest Du bisher auch nicht Berlin! Scher dich fort!

 

Hier das offizielle Video zu „Hass“ (auch für all die Leute, die finden, dat ditt allet ja total nach Black Sabbath klingen würde… HASS!):

 

Und hier wer etwas Futter zum WG-Szenario haben will:

 

Details

  • Band: DxBxSx (www.dxbxsx.de)
  • Album: „Wer will denn das“
  • Erschienen: bereits am 28.04.2017
  • Label: Bakraufarfita Records

 



Dieser Beitrag wurde am von Benni veröffentlicht • Kategorie: Tonträger Reviews • Tags:






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