Jeff Rosenstock scheint einer dieser unverbesserlichen Workaholics zu sein, seine erste Albumbeteiligung veröffentlichte er immerhin mit zarten 16 Jahren. Seitdem war er mit Projekten wie Bomb The Music Industry oder The Arrogant Sons of Bitches, einem eigenen rein spendenfinanzierten Label oder auch dem produzieren von großartigen Platten wie Throw me in the River der Smith Street Band beschäftigt und hat zwischendurch auch noch zwei Soloalben geschrieben und aufgenommen. Das zweite, We Cool?, erschien im März bei Side One Dummy.
Auf welche Irrfahrt Rosenstock seine Hörer_innen auf We Cool mitnimmt zeigt sich schon im Opener, Get Old forever. Hier finden sich lyrische Spitzfindigkeiten wie „Despite what the advertisements said, malt liquor doesn’t make you young“ untermalt zuerst von einer Akustikgitarre, dann einem Beat und schließlich einer Band. Einer der Höhepunkte der Platte ist Nausea, schön getragen von einer Klavierbegleitung, im Refrain kommen auch noch Bläser dazu, ein Text über unerfüllte Erwartungen und dem Versuch deswegen Menschen aus dem Weg zu gehen und ein Video mit Konfetti kotzenden Menschen, liebe und Mord. Hey, was wünscht man sich mehr?
Insgesamt Pendelt Jeff Rosenstock auf We Cool? Zwischen Punk-Wurzeln, Indie und seinen unzähligen musikalischen Einflüssen und schafft es dabei sowohl mit dem fast schon poppigen Hey Allison als auch mit dem sphärischen All Blissed Out, das sich spontan nirgends einordnen lässt oder auch mit I’m Serious, I’m Sorry, das anfänglich an Billy Bragg erinnert und später dann zum straighten Punk-Song wird zu überzeugen.
Ich kann nicht anders als diese Platte allen ans Herz zu legen, denen klassischer Punkrock ab und zu einfach mal zu monoton, zu langweilig wird, denn bei We Cool hört man Rosenstocks Punk Wurzeln heraus ohne, dass es negative Zuschreibungen erfüllt. Ich bin begeistert.