Im Gespräch: Terrorgruppe

Die Terrorgruppe feiert die nach 10jähriger Absitenz ihre Rückkehr auf die Bühnen dieser Welt. Passend dazu erscheint im August auch die neue EP “Inzest im Familiengrab”. Viel Stoff für ein Gespräch gibt es da allemal. Wir haben die Truppe auf der diesjährigen Ausgabe des Open Air am Berg in Eichstätt vor’s Mikro bekommen, wo uns Johnny Bottrop, MC Motherfucker und Zip Schlitzer Einblicke in ihr Tun während ihrer Schaffenspause gaben, über Funpunk und Politik sprachen und natürlich auch über ihre Wiedervereinigung nachdem die abschließende Bandbiografie bereits erschienen war.

2013 noch habt ihr eine „abschließende Bandbiografie“ rausgebracht, nicht mal ein Jahr später habt ihr eine Reunion bekanntgegeben, woher kam der Sinneswandel?
MC Motherfucker (Voc, Git):
Es kam daher, dass wir im Zuge dieser Bandhistory-DVD, Sündige Säuglinge, viele Interviews hatten und immer wieder gefragt wurden, wann wir denn mal wieder live spielen, wir haben dann etwa 25 Interviews lang gesagt, dass wir das nie machen und so ca. ab dem 26ten haben wir uns dann gefragt, was wäre wenn die Interviewer alle recht haben und ob wir das nicht doch mal in Erwägung ziehen sollten. Dann kam das SO36 noch an, das dieses Jahr sein 36. Jubiläum feiert, auf dem auch alle Möglichen alten Bands spielen wollen, zum Beispiel MDK, Mekanik Destruktiv Kommandöh, eine wichtige Hausbesetzerkombo aus den frühen 80er Jahren und wir wurden eben gefragt, ob wir da nicht auch spielen wollen. Dann haben wir das besprochen, gesagt, dass wir sowas eigentlich machen könnten, aber dann haben wir uns zwischenzeitlich ziemlich lange nicht gesehen und als wir uns irgendwann wieder getroffen haben, wurde es beschlossen.

Die Arschrakete

Seid ihr auch mit den klassischen Ausverkaufsvorwürfen konfrontiert worden? Wenn ja, wie reagiert ihr?
Zip Schlitzer (Bass):
Ausverkauf… Naja die SO36 Show war ausverkauft, innerhalb von 2 Monaten oder so. Daher kommen wohl die Ausverkaufsvorwürfe, war viel zu schnell ausverkauft. (lacht)
Johnny Bottrop (Git): Insofern stimmen die Vorwürfe.
MC Motherfucker: Und jetzt können wir ankündigen, dass wir wahrscheinlich im Dezember wieder in Berlin spielen und zwar im Rahmen des Atomtest Weihnachtsfest und ich hoffe wir werdens wieder ausverkaufen.
Johnny Bottrop: Allen Ausverkaufsvorwürfen zum Trotz.

Wie weit seid ihr mit der am 29. August erscheinenden EP Inzest im Familiengrab?
Johnny Bottrop:
Die ist aufgenommen, ein Cover gibt es auch schon und seit vorgestern Abend gibt’s auch ein Booklet, ist eigentlich fast alles fertig.
MC Motherfucker: Das blöde ist nur, dass die Presswerke ausgebucht sind, deswegen müssen wir so lange mit der Veröffentlichung warten.
Johnny Bottrop: Die Vinylpresswerke haben zur Zeit Lieferzeiten von 12-16 Wochen weil die so einen Auftragsstau haben.

Wie seid ihr an die teilweise hochkarätigen Bands für den Aggropop Now Sampler gekommen?
Johnny Bottrop:
Wir kannten die alle, wir sind mit denen getourt, wir haben damals beschlossen, wir machen àlle nen Jubiläumssampler, dann haben wir die Bands angemailt, nicht nur die Gruppen, die dann tatsächlich hinterher auf dem Sampler waren, aber manche mussten abgesagen oder hatten keine unveröffentlichten Songs.

Womit habt ihr die letzten 10 Jahre so verbracht?
MC Motherfucker:
Wir haben viel gemacht, 10 Jahre gehen unfassbar schnell rum.
Johnny Bottrop: Wir wollten eigentlich eine kreative Schaffenspause machen aber es war immer Stress, es gab immer was zu tun.
MC Motherfucker: Deswegen hat auch das mit der DVD so lange gedauert, einfach weil wir mit anderen Sachen beschäftigt waren.
Johnny Bottrop: Die DVD kam 7 Jahre zu spät.

7 Jahre? Wie das?
MC Motherfucker:
Bottrop hat die Bottrops gemacht und bei Destiny Records Platten rausgebracht und ich hab halt viel produziert.
Johnny Bottrop: Und man muss auch sagen, dass die Regisseurin ein Kind geboren hat und zwischenzeitlich in Mutterschaftsurlaub war und dann ein Restaurant aufgemacht hat. Sie ist nämlich nicht nur Regisseurin sondern auch Mutter, Restaurantbetreiberin, Filmemacherin und Internetclubbetreiberin, das ist so ne Art Computerclub mit Bar und nebenbei hat sie noch unsere DVD gemacht.

Was wird aus The Bottrops?
Johnny Bottrop:
Eigentlich wollten wir das erste mal wieder Mitte Juni zusammen proben aber jetzt wird’s Mitte Juli, das liegt nicht an den vielen Terminen der Terrorgruppe sondern daran, dass Bang Bang Benno für 3-4 Monate in die USA geflogen ist und da auch gehofft hat von seinen Filmjobs leben zu können aber dann doch wieder pleite und verschuldet nach Hause kam und seitdem so ungefähr 3 Jobs gleichzeitig machen muss. (lacht) Und deswegen nie Zeit zum proben.

Open Air am Berg – Eichstätt 2014

Polit- und Funpunk sind ja doch schwer vereinbar, wie macht ihr das?
MC Motherfucker:
Wir haben weder was mit Politpunk noch mit Funkpunk zu tun, wir sind einfach nur Punk, das beinhaltet sicher Elemente von beidem aber wir sind eigentlich nur ne Punkband. Wir wollen die Welt eigentlich nicht verändern, es ist eigentlich ganz cool, dass die so scheiße ist.
Johnny Bottrop: Das gibt uns immer Ideen füt Texte. Das ist jetzt aber ein bisschen sarkastisch formuliert. Uns stört grundsätzlich wenn im Punkrock alles todernst wie ein Parteiprogramm genommen wird, so ironiefrei, ansonsten ist die Sache … also die Dinge, die wir besungen haben … natürlich ein totaler Atavismus, ein Relikt aus Saurierzeiten.
Wir gehören eigentlich auf diesen Kreidehaufen da hinten, weil alles, was wir in den 90ern besungen haben, das gibt’s ja gar nichtmehr, die CSU, die Katholische Kirche, die Arbeit, die Gesellschaft als solches, Skateboards, Deutschland, das ist ja alles schon längst auf dem Müllhaufen der Geschichte, Angela Merkel, Nazis im Haus, das existiert ja alles gar nicht mehr, insofern sind wir natürlich ne völlig überflüssige Band und unsere Aussagen sind alle 20 Jahre zu spät. Oder?

Was sagt ihr dann eigentlich zu der ganzen Grauzone-Geschichte?
MC Motherfucker:
Ich finde das Wort Grauzone ist n blödes Wort, es macht keinen Sinn weil es eigentlich nur ein anderes Wort ist für Dinge, die schon lange existieren, wie Konservativität oder einfach nur Stammtischpolitquatsch.
Johnny Bottrop: Stumpfer Patriotismus, Gruppendenken, Wir-gegen-die … und was ich besonders albern finde bei diesen ganzen Grauzone oder besser „Pathosbands“ ist immer dieses „Junge, halt durch, wir schaffen das, wir halten zusammen“.
MC Motherfucker: Die wissen natürlich schon alle wie man Geld verdient mit Einfallspinsel-Sprüchen wie „Leb dein Leben, geh deinen Weg, wir halten zu dir, halte zu uns, kauf unsere T-Shirts, lass uns Bier zusammen trinken.“ Das ist einfach stumpf!
Johnny Bottrop: Ansonsten kriegt auch jedes Land die Künstler, die es verdient.
Ich meine England hat z.B. Sex Pistols und Beatles und Deutschland hat halt Heino und Frei.Wild. Also das passt schon irgendwie.

Wieso eigentlich keine Airbags für die CSU wenn ihr aus Berlin kommt?
MC Motherfucker:
Damals in den 90er Jahren gab’s ja unfassbar viele CSU-Politiker, die auf der A9 zum Teil schreckliche Auffahrunfälle verursacht haben, fast so wie diese Tiere, die auch schreckliche Auffahrunfälle verursachen, namens Spurrillen, die CSUler sind ähnlich, sie fahren zu schnell Auto wenn sie besoffen sind, denken sie sind Gott, denken sie vertragen viel mehr Bier als andere, stimmt aber nicht, und aus diesen ganzen Vorfällen ist dann eben dieses Lied entstanden. Ein CSU-Mitglied, das man aber gar nicht als CSU-Mitglied kennt, der ehemalige Torwart der deutschen Nationalmannschaft Sepp Maier, hat mal einen der schlimmsten Auffahrunfälle auf der A9 verursacht, da sind glaube ich fast 100 Autos ineinander gefahren nur weil der seinen BMW nicht steuern konnte.

Wie viel DIY steckt in der Terrorgruppe?
Johnny Bottrop:
Eigentlich fast alles. Und das was nicht DIY ist machen Menschen mit denen wir schon unglaublich lange befreundet sind.
MC Motherfucker: Man muss dazu auch sagen, dass eine Band 100% DIY auch kaum funktionieren kann, weil Zeit in bestimmte Dinge reinstecken einfach nichts mit Musikmachen zu tun hat und da muss man aufpassen und auslagern und delegieren können, damit der Kopf auch frei für´s Musikmachen ist. Aber wir wissen schon über alles bescheid und treffen die Entscheidungen selbst.

Sex, Drogen und Rock’n’Roll?
Johnny Bottrop:
Sex ist immernoch ne ganz Tolle Sache, kann man ja bis ins hohe Alter noch machen.
Zip Schlitzer: Irgendwann kommt wahrscheinlich Viagra mit auf die Cateringliste.
MC Motherfucker: Die Drogen werden im Laufe des Alters immer unwichtiger, was auch besser so ist, sonst macht man’s nicht besonders lange. Rock’n’Roll macht immer noch Spaß und Sinn, mittlerweile fangen ja auch wieder viele HipHop-Bands mit Gitarre an.

5 Platten, die in eurer Sammlung nicht fehlen dürfen?
Johnny Bottrop:
MC5 – Back in the USA, Roky Erickson – Casting the Runes, Bad Brains – das ROIR-Tape, die erste LP der Adolescents und Toots and the Maytals – Funky Kingston.
MC Motherfucker: Sex Pistols – Never Mind the Bollocks, The Ramones – It’s Alive oder The End Of The Century, Pleased To Meet Me von The Replacements, das ist ne ganz wichtige Platte für mich, die feier ich eigentlich schon immer, das ist eine meiner absoluten Liebglingsscheiben und dann noch Discharge – Hear Nothing, See Nothing, Say Nothing, die Platten die Johnny Bottrop gesagt hat unterschreib ich auch noch!
Johnny Bottrop: Du müsstest eigentlich nach 10 Fragen!
Zip Schlitzer: Das ist schwierig weil’s eigentlich viel zu viele sind, 5 reichen da lange nicht aus. London Calling ist zum Beispiel ein absolutes Highlight bei The Clash, obwohl eigentlich alles von ihnen gut ist, aber London Calling ist schon weit vorne, dann Pink Flag von Wire auf jeden Fall, Youth of America von den Wipers, dann, auf die steh ich momentan sehr, Bone Machine von Tom Waits und Monarchie und Alltag von den Fehlfarben, Fehlfarben sind ja auch so ne Blaupause für alles was danach gekommen ist, gerade Turbostaat, die haben mir auf dem Ruhrpott Rodeo auch sehr gut gefallen.

Ihr habt mit “Mein Skateboard ist wichtiger als Deutschland” und “Keine Airbags für die CSU” die eine oder andere Hymne geschrieben, was sagt ihr heute dazu?
MC Motherfucker:
Ich denke wir werden die eine oder andere Hymne heute Abend auch spielen, wir finden die ja immer noch cool und relevant, sonst würden wir es ja nicht machen.
Johnny Bottrop: Wir werden in den nächsten Jahren auch die eine oder andere neue Hymne schreiben.

 
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Dieser Beitrag wurde am von Lukas veröffentlicht • Kategorie: Interviews • Tags:






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