KOETER: Sitz! Platz! Aus! Fein!

Koeter - Caribbean NightsAuf dem Cover der 10“ von 2011 hattet ihr euch für eine recht starke Symbolik entschieden, ein umgedrehtes Kreuz. Welche Idee steckt hinter dem Artwork von „Caribbean Nights“?

Michi: Das sagst du, dass das ein umgedrehtes Kreuz war! Eigentlich war das für mich nur eine Möglichkeit innerhalb des Formats einer 10“ grafisch den größtmöglichen Bruch zu erzeugen. Und im Endeffekt war klar, dass ein Song wie z.B. „Klima der Angst“ als Motiv nicht das gesamte neue Album tragen kann. Deswegen haben wir uns für das neutrale „Caribbean Nights“ als Titel entschieden, eigentlich eine Filmdokumentation über Bob Marley, glaub´ ich. Die Grafik ist eine abfotografierte Wand mit der Skyline von Los Angeles, mit unserem Schriftzug und dem Titel (grinst) und sie hat keine Aussage!

Matze: Beim ersten Cover war das aber auch keine Konzeptidee! Wer interpretieren will, kann und darf aber natürlich interpretieren. Es war letztendlich genau die grafische Idee, die drei von vier Koeter überzeugt hat. Wir haben uns gut einen Monat lang per Facebook über das Layout ausgetauscht und irgendwann musste einfach mal eine Entscheidung getroffen werden.

Michi: Wenn du, wie ich, den ganzen Kram selber machst, wird es auch irgendwann schwer zu entscheiden. Ich hatte ja verschiedene Ideen vorgelegt.

Aber ihr habt doch bestimmt über die Jahre ein riesiges Netzwerk gesponnen. Gibt´s da nicht die Möglichkeit, solche Arbeiten weg zu geben.

Michi: Theoretisch geht das schon, aber ich habe mittlerweile ein ganz großes Problem mit dieser Selbstausbeuterkultur innerhalb dieser ganzen Kontexte. Fakt ist zwar, dass du mit einer Band wie Koeter niemals ernsthaft was verdienen wirst, aber wenn ich zu Leuten gehe und ich will was von denen haben, dann kann ich die nicht mit 30€ abspeisen. Aber das ist Teil dieser Kultur und die Leute nehmen das so hin, weil sie es nie anders gelernt haben. Innerhalb dieser Kultur gibt es kein Innen und kein Außen, was es schwer macht, das wirklich fassbar zu machen und zu personalisieren, aber das es dennoch falsch ist: ich kann mich erinnern, ich hab´ ca. 2007 mit Nein Nein Nein im AZ Mülheim mit Duesenjaeger und Amen 81 gespielt. Da waren dann insgesamt 35 Zahlende, so lange bis die Kasse irgendwann den Eintritt von 5€ auf 2€ gesenkt hat, da kamen dann auf einen Schlag 300 Leute rein. Also haben in dem Beispiel halt die Leute an der Kasse das so gesteuert, so wie an anderen Stellen, jemand anders etwas steuert, innerhalb seines Machtradius.

Wo hört DIY auf?

Michi: DIY hört an der Stelle auf, wo du Arbeit abgibst! Vielleicht aber auch schon an dem Punkt, wo du mit deiner Band bei ´nem DIY-Label veröffentlichst. Man kann das weiter spinnen: ist es wirklich Do-It-Youself seine Platten in ´nem Presswerk in Tschechien pressen zu lassen!? In dem Bereich gibt es viel Ideologie, viel Pathos und viele Graustufen, wie gesagt, kein Innen und kein Außen.

Ich hab´ mich mit dem Klotzs-Sänger IngE über euch unterhalten. Was ihm bei euren gemeinsamen Konzerten aufgefallen ist, bzw. was er verwunderlich fand, war, dass du vor den Konzerten ungewöhnlich nervös wirkst. Du hast doch knapp 400 Konzerte bis dato auf dem Buckel, hat man da noch Lampenfieber?

Michi: Nee, der Eindruck täuscht, wahrscheinlich weil ich in der Regel schlecht gelaunt bin (grinst). Ich hab´ allein von 2006-2008 ca. 150 Konzerte gespielt, also: ich bin vor Konzerten zwar 0% nervös, aber 100% hilflos! Hinzu kommt, dass ich keine Lust habe, mich da als Frontmann zu inszenieren. Und der Gedanke, dass da jemand im Publikum steht, der vielleicht vor ein paar Shows auch da war und die Ansage zum Song schon mal gehört hat, das krieg´ ich nicht übers Herz, da fühl´ ich mich ziemlich blöd bei. Ich hab´ vor ein paar Wochen mal meinen alten Rechner zwischen gehabt und da ein altes Nein Nein Nein-Video von einem Konzert in Nürnberg wieder gefunden. Da sind mir natürlich mehrere Sachen im Vergleich zu den heutigen Koeter-Konzerten aufgefallen. Erstens hatte ich 10 Kilo weniger (allgemeines Gelächter), zweitens hab´ ich damals so schnell Gitarre gespielt, wie ich es heute ohne es zu üben nicht so locker hin bekommen würde. Drittens habe ich an diesem einen Abend, wo es einfach stimmte im Publikum, ungewöhnlich viele gute Ansagen raus gehauen. Also, das ist so eine interaktive Sache, wenn du merkst, dass die Leute mitgehen und auch Bock haben und den Auftritt aufmerksam verfolgen.

Matze: Aber wir gehen ja jetzt auch nicht mit der Erwartungshaltung daran, dass jedes Konzert super geil wird. Wir werden jetzt bei der Frühjahrstour 2015 bestimmt auch Termine haben, die so Lala laufen werden.

Wie oft seit ihr eigentlich inzwischen mit Love A aufgetreten und bringt das was, z.B. für den Plattenverkauf?

Michi: In erster Linie bringt uns das eine Menge Spaß, wir treffen unsere Freunde und haben eine gute Zeit. Jörkk und unser Schlagzeuger Eric haben ja früher bei Ultrafair zusammen gespielt, bevor Eric bei Koeter einstieg.

Matze: Also, das waren bestimmt knapp dreißig Auftritte mit Love A bisher und wir haben aber ja z.B. auch Jürgen Schattner über Love A kennen gelernt. Ein bemerkbares Mehr an Plattenverkäufen kann man da jetzt allerdings nicht unmittelbar feststellen. Ich glaub´, beim Dortmund-Konzert haben wir am meisten verkauft, aber da hatten wir auch mit Abstand am meisten Zuschauer, übrigens ohne Love A: das war nämlich das Bierschinken-Fest.

 



Dieser Beitrag wurde am von Marko Fellmann veröffentlicht • Kategorie: Interviews • Tags:






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