Crazy Town – zwischen Trauerspiel und Glanzleistung

Crazy Town wurde 2000 mit ihrem damaligen One-Hit-Wonder “Butterfly” zu einer rund um die Welt gefeierten Band. Jeder konnte diesen Song mitsingen, jeder kannte die Gesichter, das bunte Video mit den Feen und dem Oben-Ohne Typen. Als bekannt wurde, dass Crazy Town in Nürnberg im Hirsch auf ihrer Europatour gastieren, war klar, dass ich mir das anschauen muss. Die Pro/Contra Liste dieses Konzertes fällt wohl etwas ungleichgewichtig aus…


Pro

  • Sie haben die alten Songs gespielt und waren musikalisch eigentlich ziemlich gut. Aus meiner Sicht bekamen Hits wie “Born to Raise Hell”, “Toxic” oder “Drowning” wesentlich zu wenig mediale Aufmerksamkeit und wurden absolut zu Unrecht unter den Scheffel von “Butterfly” gestellt. Hört man sich die Alben durch, fällt auf, dass “Butterfly” nicht nur einfach das softeste Lied aus den Federn Crazy Towns war, sondern auch das, man mag mich dafür verurteilen, schlechteste.  
  • Crazy Town haben auch neue Songs mit dabei gehabt, welche auf ihrem zukünftigen Album erscheinen sollen (ein Beweis dafür, dass diese Band sich nicht nur auf den Lorbeeren von 2001 ausruht, sondern auch weiterhin versucht kreativ zu arbeiten).
  • Die Bühnenshow war an sich solide und das was ich mir erwartet hatte, fit sind die Jungs immer noch.
  • Alle Bandmitglieder standen anschließend am Merch-Stand und ließen sich mit allen Fans ablichten, unterschrieben geduldig alle Shirts und Autogrammkarten und verkauften ihre Klamotten selbst.

 
Contra

  • Nennt es Pech, Karma oder Energien des Universums. Die Band war von Beginn der Show an unter einem verflucht schlechtem Technik-Stern gestanden! Erst funktioniert das DJ-Pult nicht, es müssen mehrfach Songs abgebrochen werden, trotz des professionellen Einsatzes von Gaffatape. Anschließend ist durch den kompletten ersten Song lang die Gitarre gemutet und dem Tontechniker fiel das nicht auf, die Instrumente übersteuern immer und immer wieder, zwei Mikrophone geben während des Auftrittes anscheinend den Geist auf… mehr kann eigentlich nicht schief gehen!
  • Auf der Bühne, während einer ein-stündigen Show, mit 5 Mann zwei Flaschen Jack Daniels kippen zu können zeugt von ungesundem Trinkverhalten, einer kaputten Leber und den vielleicht etwas so groß geschrieben Rockstar-Allüren
  • Nebenbei ist es auch nie wirklich cool, das Publikum dazu aufzufordern Weed in den Backstage zu bringen (auch wenn ich selbst nichts gegen Drogenkonsum habe). Kann ja jeder handhaben wie er/sie möchte, aber es ist nicht notwendig sowas “breitzutreten”
  • Warum das Pech mit der Technik auch Karma sein könnte: nach der Show, und das fand ich immens traurig, da ich während der Show immer wieder betont habe, wie sehr mir die Band leid täte, dass die ja nichts für die miserable Technik könnten, dass es nicht ihre Schuld sei und ihre musikalische Leistung an sich ja gut, etc., musste ich leider seitens der Musiker Verhaltensweisen beobachten, die ich für untragbar halte.

    Nachdem die Bandmitglieder anscheinend alle etwas zu tief ins Glas geguckt hatten, beobachtete ich einen von ihnen wie er beim “vorbei gehen” in einer Situation einer Frau an den Hintern griff, die ihm dann deutlich zu verstehen gab, dass er bitte gehen solle und keine fünf Minuten später griff er einem anderen Mädchen an die Brüste. Auch diese äußerte sich klar und deutlich, dass er verschwinden solle. Niemand, auch kein Musiker, hat das Recht eine Frau zu begrapschen, wenn sie das nicht möchte! No means no; my body, my choice, auch in der Musikszene! In darauf folgenden Unterhaltungen hörte ich dann Aussagen wie “die waren doch betrunken” oder “ja nimms doch nicht so ernst”. Solche Ausreden können sich alle Unbeteiligten gerne sparen. Fairerweise muss man zugeben, dass die Jungs sofort aufhörten die Mädchen zu bedrängen, sobald diese deutlich nein gesagt haben, aber allein die Tatsache den Frauen auf diese Art und Weise näher zu kommen, geht überhaupt nicht!

An dieser Stelle muss ich wohl leider ein Plädoyer für die Rechte der Frauen in der Musikszene halten. Es kann einfach nicht sein, dass eine Frau auf einem Konzert in irgendeiner Form objektiviert wird (egal ob jetzt von Musikern oder Besuchern). Über den eigenen Körper entscheidet nur die Person selbst und niemand hat das Recht diese Grenze zu überschreiten. Dieser Appell geht jetzt nicht nur an die Bands, sondern an alle Konzertbesucher. Eine gesunde Reflexion der eigenen Verhaltensweisen würde vielen Menschen gut tun, denn auch in unserer ach so pluralistischen Musikgesellschaft ist Sexismus immer noch ein enorm wichtiges Thema.

 



Dieser Beitrag wurde am von Anna veröffentlicht • Kategorie: Konzert Reviews • Tags:





Eine Antwort auf Crazy Town – zwischen Trauerspiel und Glanzleistung


  1. isegal
      am 29.01.2017 um 21:47 Uhr

    no means no – ohne frage.
    Das steht nicht im geringsten zur Diskussion.

    Allerdings muss man vielleicht “bedenken”, dass die “girls” in … L.A. sich sowas gern geben, und da einfach anders sind, als “wir hier”.
    So mag es hier falsch verstanden sein, doch für einen amerikanischen Act, auf dortigem Territorium, sogar zum guten Ton gehören.

    Mag. Muss nicht. Bin kein Kenner der Szene dort. Kenne nur Filme, Dokus und Livemitschnitte. Diese wiederum vermitteln diesen Eindruck allerdings häufig, was das verhalten erklärt und bedingt auch entschuldigt.

    Wenn hier die Toten Hosen Fan-nähe zeigen, “Sabine” in den Arm nehmen, ein Küsschen auf die Wange drücken – nun, das ist toll, da ist alles “koscher”, doch es gibt andere Kulturkreise, andere Länder, da wäre auch dieses Verhalten schon so “falsch”, wie dass von Dir beschriebene es hier ist.


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