In Concert: Blood Red Shoes @ Flex, Wien, 23. November 2012

Dawid: What’s your favourite colour?
Steven Ansell: Red.
Laura-Mary Carter: Blue.
Dawid: Thank you.

So schaut investigativer Journalismus der Österreich-Abteilung von True Trash aus. Danke, ich gebe mir wirklich Mühe.

Okay, ich habe mir das Debütalbum der Blood Red Shoes damals nur gekauft, weil It’s Getting Boring by the Sea Assoziationen mit Nirvana in mir weckte. Und dieser Einfluss ist auch unüberhörbar. Aber die Box of Secrets ist viel mehr als das, diese Box ist nämlich vollgepackt mit Hooklines, geilen Riffs, ganz viel melodiösem Krach und jede Menge Teen Angst. Eine explosive Mischung for sure. Die Songs mögen vielleicht einfach gestrickt sein – und vor allem die B-Seiten wirken da ein bisschen unfertig und repetitiv – aber sie hooken alle, verdammt nochmal! Das Nachfolgewerk Fire Like This steht dem um nichts nach. Geil mit großem G.

Für ihr drittes Album In Time to Voices haben Steven Ansell (Drums, Vocals) und Laura-Mary Carter (Gitarre, Vocals) jedoch einen anderen Zugang gewählt und ihren Horizont erweitert; eine akustische Gitarre hier (Night Light, Slip into Blue), ein paar Streicher dort (The Silence and the Drones), gemütlich das Tempo drosseln, einfach mal träumen und sich fallen lassen. Sicher ein mutiger Schritt in eine neue Richtung mit dem Drang nach Weiterentwicklung, doch die Wunden, Narben, Erinnerungen und Lasten der Vergangenheit scheinen sie noch nicht ganz loszulassen, schon am Debütalbum heißt es „I wear the scars to show my shame“ (I Wish I Was Someone Better), und jetzt eben „I can cut a new wound on an old scar that I can’t cover“ (Stop Kicking). Zwar braucht die Platte etwas, um zu wachsen, aber keine Sorge, es ist immer noch genügend Krach da (Je Me Perds ist sogar erbarmungsloses Gedresche), nur ist es diesmal eben differenzierter Krach. Anspieltipps: In Time to Voices, Cold, Stop Kicking, Slip into Blue.

In einem nicht wirklich exklusiven Interview mit True Trash, eigentlich eher einer Konversation, eingequetscht zwischen Merchandiseartikeln und umringt von neugierigen Blicken, erzählt Steven, sichtlich gut gelaunt, ein bisschen über das neue Album und die Tour. Und wie er über Laura-Marys und seine Leidenschaft redet, merkt man gleich, dass die Einstellung der Band zur Musik und dem Business eine lockere ist. Die Perspektive des Zuhörers, Konzertgehers, Fans werden die Blood Red Shoes wohl nie aus den Augen verlieren. Da will man schon fast das Klischee bemühen, dass sie das alles des Spaßes und nicht des Geldes wegen machen.

Wer welchen Song singe oder wer die Leading Vocals bei welchem Lied übernehme, entscheide sich meistens dadurch, was einfach besser klinge; manchmal singe derjenige, der die Vocalparts geschrieben habe, und manchmal suche sich der Song selbst den Sänger aus, meint Steven. Warum denn die Lyrics diesmal nicht im Booklet enthalten seien, kann er auch leicht erklären; erstens, weil das CD-Booklet ohne ihnen einfach besser aussehe und zweitens seien sie in der Vinyl-Version des Albums, das etwas anders gestaltet sei, abgedruckt, sozusagen als Bonus für die Fans. Dass das aktuelle Liveset aus nur 4 bis 5 neuen Songs und vorwiegend altem Material bestehe, liege einerseits daran, dass manche Songs auf dem neuen Album mit mehreren Instrumenten eingespielt worden seien, was als Drums-Gitarre-Kombo live einfach nicht umsetzbar sei, und andrerseits daran, dass manche neue Songs, vor allem die mit Akustik-Gitarre, den Flow eines energetischen Rock-Konzerts brechen würden, was die Blood Red Shoes (momentan) nicht möchten, denn sie wollen einfach nur rocken; dreckig, vom ersten verzerrten Sound bis zur letzten Rückkopplung!

Und das machen sie auch. Das Set auf dieser Tour wird von ihrem wohl bekanntesten Song It’s Getting Boring by the Sea eröffnet, eher weniger deswegen, um gleich vorweg die Fressen der Leute zu stopfen, die immer nur nach den Hits schreien, sondern eher um die Marschrichtung für den Abend vorzugeben: Rock hard! Sogleich kommt Bewegung in die Massen. Hüpfen, tanzen, schreien, moshen! Und so geht es bis zum Ende weiter. Schweiß, Spucke, Blut und blaue Flecken. Und wo verdammt nochmal ist meine Stimme hin? Verloren irgendwo in der stickigen und von Nebelfluid durchtränkten Luft des Flex. Hell yeah!

Bei ihrem ersten Konzert in Wien (2008, auch im Flex), standen sie noch etwas verloren beim Merchandisestand und begrüßten die Leute mit einem schüchternen Lächeln bevor die Show anfing. Sehr sympathisch. Die Zurückhaltung verschwand sofort, als sie dann auf die Bühne traten. Diesmal wird das Publikum zwar nicht zu einer Stage Invasion eingeladen, doch sie spielen The Surf Song zum ersten Mal in Österreich, traditionell mit vertauschten Instrumenten. Auch ganz lustig. Und endlich mal ein Drummer als Leadsänger, bei dem das nicht total scheiße, sondern sogar ganz lässig aussieht. Nur so nebenbei bemerkt. [Hatemails aller singenden Drummer bitte gleich an die Redaktion]

Noch ein Satz zur Support-Band aus Australien: DZ Deathrays, auch ein Gitarrre-Drums-Duo, kann live mehr als überzeugen, mit Anleihen an 80er Thrash Metal; klingt gut, ist gut.

Zwar haben die Blood Red Shoes schon im Mai durch Deutschland getourt, aber im November haben sie noch einige Dates drangehängt: Nürnberg (26.11.), Dresden (27.11.) und Bochum (28.11.).

Haben sie in Wien auch alle Hits gespielt? Hier kann man es herausfinden: setlist.fm/setlist/blood-red-shoes/2012/flex-vienna-austria-3dad53f.html

 

 



Dieser Beitrag wurde am von Dawid veröffentlicht • Kategorie: Konzert Reviews • Tags:






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