In Concert: Maximo Park @ Arena Wien, 17. Oktober 2012

Maximo Parks Debüt A Certain Trigger ist eines der besten Alben des vergangenen Jahrzehnts. Punkt. Wer was anderes denkt, darf sich bitte schleichen. Als dann die dazugehörige Compilation Missing Songs rauskam, dachte ich, die Jungs wären gar nicht dazu fähig, einen schlechten Song zu schreiben. Das Nachfolgewerk Our Earthly Pleasures war zwar immer noch großartig, hatte aber auch schon ein paar Längen. Quicken the Heart war dann, sagen wir etwas „gewöhnungsbedürftig“ und über Paul Smiths Soloalbum Margins breiten wir lieber ganz den Mantel des Schweigens aus. Nun ist das vierte Werk da: The National Health.

Erstmals Gratulation zum hässlichen Cover. Aber nicht, dass das das Wichtigste wäre, denn auf die Musik kommt es ja schließlich an und diese gefällt. Auch ist Paul Smith weiterhin ein Meister der Alltagsbeobachtung, was er gekonnt in Wort und Slogans verpackt. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass die Band schon länger etwas orientierungslos agiert, dass ihrem Trademark-Sound (schnell, eckig und abgehackt, aber melodiös) nach den ersten beiden Alben ein bisschen die Luft ausgegangen ist. Aber vielleicht zeigen ja die grandiosen und sehr düster angehauchten Hips and Lips oder Banlieue, wohin die Reise zukünftig gehen könnte.

Nun waren Maximo Park wieder einmal in Wien. Im Securitygraben standen schon etwa 15 Wasserflaschen und 30 Becher bereit für den Einsatz, um die Gemüter abzukühlen, wenn der Sturm der Begeisterung entfesselt wird. Doch die Arena war diesmal nur etwa zu zwei Dritteln gefüllt (Kapazität knapp über 1000), kein Vergleich also zu 2005, wo man dort kaum atmen konnte, oder 2007 auf dem Höhepunkt des Hypes, wo sie sogar den Wiener Gasometer zum Kochen brachten. Und an diesem Abend stellte sich mir wieder die ewige Frage: Wovon hängt es ab, dass ein Publikum mitgeht, hüpft, mosht, ausrastet? Was sind die Zutaten dafür? Die Band, die Platte, die Location, der Zeitpunkt, die Stimmung, das Publikum selbst?

Eins vorweg, die Band war großartig! Paul Smith, traditionell im Anzug und Melone und ein Meister der dramatischen Pose, hüpfte, sprang, sang und schrie voller Inbrunst, brannte innerlich und schwitzte äußerlich, litt mit Leib und Seele bei jedem einzelnen Wort, jeder einzelnen Zeile, jedem einzelnen Song, als ob es der letzte seines Lebens wäre. Doch der Wahnsinn in seinen weit aufgerissenen Augen übertrug sich nur teilweise aufs Publikum. Lukas Wooler war ein weiteres Energiebündel auf der Bühne, mal tanzte er roboterhaft um sein Keyboard, mal riss er es zu Boden, mal schlug er sich wie von Sinnen mit der Hand gegen den Kopf. Gitarrist Duncan Lloyd und die Rhythmusfraktion waren zwar die Ruhepole des wilden Treibens, doch ihr Spiel schnitt sich scharf und präzise in die Gehörgänge. Auch wenn anfangs der Sound schlecht abgemischt war, im Endeffekt haben sie delivert, 90 Minuten vollgepackt mit Hits.

Wieder einmal also ein tolles Konzert von Maximo Park. Und auch wenn dann bei Books from Boxes alle brav mitsangen, was mir fehlte, war der berüchtigte Funke, der zwischen Band und Publikum. Nicht eine einzige Wasserflasche wurde an diesem Abend geöffnet. Und ich bin weiterhin auf der Suche nach einer Konstante, einer Regel, nach meinem heiligen Gral.

Setlist: setlist.fm/setlist/maximo-park/2012/arena-vienna-austria-5bdd0704.html

 

 



Dieser Beitrag wurde am von Dawid veröffentlicht • Kategorie: Konzert Reviews • Tags:






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