In Concert: Lisa Hannigan

@ Chaya Fuera, Wien
6. Mai 2012

Dufter Kerl: As this is a blog about punk music, what’s your favourite punk record?
Lisa Hannigan: Oh … I don’t know …
Dufter Kerl: Any punk record, just one.
Lisa Hannigan: Hm … I love Patti Smith!
Dufter Kerl: Which album?
Lisa Hannigan: Horses. Does Patti Smith count?

Mehr Punk wird es nicht geben, Leute, denn Lisa Hannigan aus Irland macht langweilige Fahrstuhlmusik. Jedenfalls wirkt es so, wenn man ihre Alben zum ersten Mal und das auch noch nur nebenbei hört. Trotzdem gibt es ja Platten, die einen sofort mitreißen und nicht mehr loslassen, aber Lisas Werke gehören definitiv nicht dazu. Für Frau Hannigans Musik muss man sich nämlich Zeit nehmen, man muss zuhören und vor allem muss man hinhören. Dann aber, wenn es klick macht, dann eröffnen sich wunderbare Welten voller kleiner Wahrheiten, verträumt und verspielt, fragile Songkonstruktionen von Lisas zartsüßer Stimme getragen, mit einer herzerwärmenden Umarmung und einem Versprechen auf den Lippen.

Let’s get lost.
Me and you.

Das Set an diesem Abend mit einem so emotionalen Song wie „Little Bird“ zu beginnen, den man eher zum Schluss hin erwartet hätte, ist schon ziemlich gemein. „Little Bird“, das ist diese kleine Songperle, bei der man keinen Kloß, sondern schon einen ganzen Elefanten im Hals hat, das Herz von alleine die weiße Flagge hisst und sich die Pulsadern ohne jegliches Zutun selbst aufschlitzen. Aber das Konzert still und leise zu beginnen, um dann in einem Ukulele-Wirbelwind-Wahnsinn mit dem Song „Knots“ zu enden, also das Publikum glücklich in die Nacht zu entlassen, das passt auch eher zu Lisa, die anscheinend schon mit einem Lächeln geboren wurde. Eigentlich schwer vorstellbar, dass ihr Ausscheiden aus der Band von Damien Rice vor ihrer Solokarriere ein eher unschönes war.

Lisa und die Altherrenpartie, also ihre Live-Band, rockten und schwitzten, das Publikum war begeistert und schwitzte auch. Und irgendwie grinsten alle, am meisten Lisa selbst, das Girl next door, die beste Freundin, der man alles erzählen kann. Ach, und hier wären wir bei einer weiteren Punk-Parallele: Authentizität. Ich hasse ja dieses Wort. Längst hat es jegliche Unschuld verloren. Für Fehlinterpretationen geschändet und als Totschlagargument missbraucht, ist es nun mit all seinen falschen Zuschreibungen eine mächtige Waffe im Arsenal des prätentiös die Moralkeule schwingenden Idealisten. Aber verdammt noch mal, Lisa Hannigan ist authentisch.

Und allen, die sich schon immer gewundert haben (also eigentlich eh nur ich), warum das liebevoll gestaltete Booklet zu ihrem ersten Album „Sea Sew“ mit der wie genäht wirkenden Schrift nicht alle Lyrics dieser Platte enthält, sei gesagt: Die Schrift wirkt nicht nur wie genäht, sie ist es auch! Lisa hat den gesamten Inhalt des Booklets tatsächlich selbst genäht (sic!), jedes einzelne Wort, jeden einzelnen Buchstaben! Da sie aber dann doch hauptberuflich Musikerin und nicht Schneiderin ist, wählte sie dafür nur die für sie am wichtigsten Lyrics aus. Do it yourself – Lisa ist doch mehr Punk als gedacht.

Eins noch: Sie hat ganz tolle Musikvideos, wie zB das geniale und hypnotisierende Unterwasser-One-Shot-Video zu „Little Bird“ oder die vor Lebensfreude sprühenden Videos zu „What’ll I Do“ und „Knots“ (das eigentlich ganz schön dreckig ist, hehe). Endlich mal wieder ein Künstler, der das Medium auch kapiert hat. Da wird nicht einfach langweilig eine Performance mit ein bisschen Arschwackeln abgefilmt, sondern viel Herzblut und jede Menge Ideen hineingesteckt, bei wenig Budget. Das erreicht dann schon fast wieder eine neue Qualität, und wie man allerorten hört wird die Videoclipkunst hier noch gerne gepflegt.

Okay, genug der Lobhudelei. Tolle Künstlerin. Tolles Konzert. Im Herbst will sie wieder touren, dann auch in eurer Nähe.

Ein paar Worte noch zum neuen, erst diesen März eröffneten Club „Chaya Fuera“, wo dieses Konzert stattfand. Zwar ließ die recht posh und fancy wirkende Einrichtung anfangs Schlimmes befürchten, aber ich war insgesamt doch höchst positiv überrascht, angefangen von der sehr angenehmen Atmosphäre bis hin zum Personal. Zwar störte das Hantieren der Barkeeper mit klirrenden Gläsern vor allem bei den ruhigen Stücken und eine ordentliche Klimaanlage muss noch unbedingt her (eigentlich ganz wichtig!), aber sonst wirkt alles viel besser als bei so manch pseudo-hippen Alternativ-Club hier in Wien, der zwar auf besten Kumpel macht, dann aber doch nichts weiter ist als ein abgefuckter Kaffeefahrt-Animateur. Aber mal sehen, wie sich der Club entwickelt, denn mit Idealismus beginnen ja die meisten, und bekanntlich pflastern ja gerade gute Vorsätze den Weg direkt in die Hölle.

Demnächst auch in eurer Nähe.

Für all die Nerds wie immer die Setlist: setlist.fm/setlist/lisa-hannigan/2012/chaya-fuera-vienna-austria-33dfb425.html

 

 



Dieser Beitrag wurde am von Dawid veröffentlicht • Kategorie: Konzert Reviews • Tags:






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