Taubertal Festival 2018

4 (3)Taubertal, du bist der Nabel dieser Welt… Grandioses Line-Up, grandiose Location, grandioses Wetter! Was will man mehr?

Wie in den letzten Jahren durften wir uns das Taubertal Festival näher ansehen. Mit Kamera und Notizbuch machten wir uns also auf in das wunderschöne kleine Städtchen Rothenburg ob der Tauber.

Freitag:
In diesem Jahr ging das Taubertal Festival für uns am Freitag auf der Mainstage los. Eröffnet haben diese nämlich niemand geringeres als die MAD CADDIES!

Es ist wirklich selten, dass man eine derart grundlegend sympathische Band trifft, die auch noch live genauso großartig klingen, wie auf jeder ihrer Platten. Nach diesem absolut perfekten Einstieg war klar, dass dieses Wochenende legendär werden wird. Schade war jedoch, dass nicht sonderlich viel Publikum um diese Uhrzeit anwesend war. Man hätte die MAD CADDIES durchaus auch später spielen lassen können.

Die nächste Band, die wir uns angesehen haben, trübte jedoch unsere Gemüter. FEINE SAHNE FISCHFILET sind zwar ungelogen, eine sehr dynamische und energiegeladene Live-Band, jedoch in ihren Aussagen manchmal so eloquent wie ein Sack Kartoffeln. Auf der einen Seite wird sich über einen Dildo im Publikum derart aufgeregt, dass fast eine Schlägerei ausgelöst wird, auf der anderen Seite entblößen sich aber Teile der Bandmitglieder gerne vor ihrem Publikum. Eine etwas einseitige Trigger-Vermeidungs-Strategie. Auch finde ich leider nach wie vor die „Pfeffi-Pipeline“, mit welcher FEINE SAHNE FISCHFILET bei ihren Shows Free Shots an die Besucher_innen verteilen, ziemlich daneben. Ich kann mich noch daran erinnern, als FEINE SAHNE FISCHFILET für ihre kontroverse Meinung und ihr politisches Engagement sehr geschätzt wurden. Mittlerweile ist das für mich Stadionpunk.

Weiter ging es auf der Sounds For Nature Bühne mit THE MENZINGERS. Auch wenn ich die Musik der alteingesessenen amerikanischen Punk-Rocker wirklich großartig finde und auch die Energie auf der Bühne einen jedes Mal aufs neue packt und mitreißt, ja leider muss ich auch dann zugeben, dass Greg (einer der beiden Sänger) kontinuierlich schief gesungen hat. Nicht die beste Leistung, die ich bisher gesehen hab, aber jede_r hat mal einen schlechten Tag.

Krönender Abschluss: die BEATSTEAKS! Alle Jahre wieder liefert diese Band einfach ab. Die BEATSTEAKS haben mich live noch nie enttäuscht. Und werden sie hoffentlich auch niemals. Da gibt es einfach von vorne bis hinten nichts zu meckern. Gesanglich perfekt, alle Bandmitglieder beherrschen ihr Instrument und sind großartige Musiker, Show-technisch absolute Spitzenklasse! Rundum gute Leistung und gut gewählter Headliner!

Samstag:
Auf dem Weg zum Zeltplatz hörte ich den Soundcheck einer der Emergenza Bands. Obwohl ich wirklich kein Fan dieses Bandwettbewerbs bin, höre ich mir jedes Jahr ein paar der Teilnehmer_innen an. Man kann ja nie wissen, ob nicht doch mal ein paar Goldklumpen zwischen den vielen Kieselsteinen auf die Bühne dürfen. So in diesem Jahr die polnische Band VEIRA. Zwar lies das Bühnenoutfit der Sängerin keinerlei Fantasie mehr zu, da man quasi alles schon mal gesehen hat, jedoch war die dazugehörige gesangliche Leistung von ihr und ihrer Backgroundsängerin herausragend. Passend dazu sehr Pop-lastige Sounds mit Synthie-Effekten und charmanten Instrumentalisten. Den Background Gesang kann man allerdings noch besser nutzen.

Weiter ging es ebenfalls mit einer Emergenza Band: TROPIC ACID. Die Jungs und das Mädel am Schlagzeug (yeah!) aus Spanien bezeichnen sich selbst als Alternativ-Rock Band. Das lassen wir einfach mal so stehen. Der Leadsänger mag zwar sehr theatralisch und etwas übertrieben über die Bühne springen, jedoch sind seine Beatbox-Einlagen sehr gut und passen zum Gesamtkonzept der Band. Aus meiner Sicht waren TROPIC ACID qualitativ hochwertige Anwärter_innen für den 1. Platz.

Anschließend machten wir einen kleinen Abstecher in die Dorfjugend Rothenburgs. Diese schickte nämlich ihre Metal-Band CONCLUSION OF AN AGE zum Taubertal Festival. Aus Zufall trafen wir direkt vor dem Konzert die Eltern einiger Bandmitglieder und konnten ein paar Hintergrund Infos über die charismatischen Jungs ergattern. Aber diese werden an dieser Stelle erstmal nicht verraten 😉 Also weiter im Text. Mein erster Gedanke, als CONCLUSION OF AN AGE die Bühne betraten war „ach gotti, sind die süß“. Aber keinesfalls im negativen Sinne, sondern einfach ihrem sympathischen Auftreten und dem doch recht jungen Altersdurchschnitt wegen. Ihre Live-Show haben sich die Jungs auf jeden Fall von den Größen der Musikszene abgeschaut, was an der einen oder anderen Stelle vielleicht dezent überzogen war. Musikalisch haben die jungen Rothenburger auf jeden Fall was auf dem Kasten, ein paar Dinge können jedoch verbessert werden. Der Sänger hat definitiv eine gute Stimme, passt aber für mich persönlich nicht zur Musikrichtung. Aber das ist eben Geschmackssache. Ich würde ihn einfach an anderer Stelle einordnen, gerade weil das growlen und shouten, was er in manchen Parts probiert hat, technisch nicht beherrscht wird und somit seine Stimmbänder unnötig schädigt. Hier würde ich vielleicht doch nochmal zu einem Profi gehen um die Technik zu erlernen. Auf jeden Fall war es ein Erlebnis wert.

Weiter mit der Hauptbühne. Den Samstag durften TALCO dort eröffnen. Dazu braucht man eigentlich nicht sonderlich viel sagen. TALCO sind immer eine energiegeladene Live-Band, die jedes Mal ordentlich abliefern und über deren Show man sich nie groß aufregen kann. Gerade die Bläser tun hier ihr Möglichstes.

Und jetzt wird es richtig interessant. Piraten-Punk, der sich (vielleicht manchmal nicht im echten Leben) gewaschen hat: GOGOL BORDELLO. Obwohl die Männer und Frauen schon viele Jahre auf den Bühnen der Welt auf dem Buckel haben, stehen sie den jüngeren Bands im Punkt Energie wirklich um nichts nach. Vielmehr bündeln sie die Energie für 10 Bands und packen diese immer wieder auf die Bühne. Das Zusammenspiel des Frontsängers mit der Sängerin und dem Backgroundsänger/Rapper ist einfach unschlagbar! Dazu ein ergrauter Mann an der Geige, der meinem Bild eines Piraten sehr nahe kommt, ein super entspannter Bassist und diverse andere Musiker, die das Gesamtbild perfekt abrunden. Hut ab, die Damen und Herren! Auf viele weitere Jahre dieser glorreichen Shows!

Bei der nächsten Band ging ich mit dem Gefühl rein, das jetzt „überstehen“ zu müssen, da ich nur die sehr alten Sachen von ihnen kannte und diese leider nicht mochte. Aber IN FLAMES haben es live zugegebenermaßen geschafft mich zu ihrem Fan zu machen. Die seit bereits 1990 existierende Melodic-Death-Metal Band, welche aus meiner Sicht schon lang nicht mehr als solche betitelt werden kann, da sich die Band musikalisch weiterentwickelt hat und dadurch immer weiter von dieser Musikrichtung entfernte, hat in diesen 28 Jahren allein 12 Studioalben (EPs und Singles mal außen vor gelassen) veröffentlicht. Dass ich sie dann so lange vermeiden konnte, ist fast ein Wunder. Dass ich sie so lange vermieden habe, sehr schade.

Und erneut spielten als Headliner: KRAFTKLUB! Achja, was kann man über die Jungs aus Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) in rot-weiß-schwarz sagen… Auf jeden Fall, dass sie Hummeln im Arsch haben! Still sitzen hat wahrscheinlich in der Schule schon nicht geklappt. Sympathische Herren, die ganz gute Musik machen und zur richtigen Zeit den richtigen Knopf gedrückt haben um zu einer der populärsten Bands Deutschlands zu werden. Kleines Manko: die vielen tanzenden Mädchen (und Jungs) auf der Bühne wirkten zwar in manchen Situationen ganz nett, aber im Allgemeinen finde ich es eher schade, wenn eine Band sich eines derartigen Hilfsmittels bedienen muss, statt selbst eine Show aufzuziehen. Andere Bands schaffen es ja auch ohne zusätzliche tanzende Mädels auf der Bühne. Schade Schokolade… (nebenbei frage ich mich auch, wie viel die Tänzer_innen für die vielen Shows verdienen, während KRAFTKLUB selbst ja vermutlich eine Stange Geld machen).

Sonntag:
Der Sonntag war in diesem Jahr für mich definitiv der favourite Day. Aber zu meinem persönlichen Highlight kommen wir erst noch. Bevor überhaupt irgendeine Band spielen konnte, wurden wir durch Campingstuhltragende, in die gleiche Richtung marschierende Festival-Besucher auf ein sehr seltsames Ereignis aufmerksam. Die Sonntagsmesse des Green-Camping! Lustiges Spektakel, muss man aber dabei gewesen sein (Situationskomik).

Dann starten wir mal mit KÄPTN PENG & DIE TENTAKEL VON DELPHI auf der Hauptbühne! Zwar hab ich die lieben Jungs erst vor kurzem auf dem Bardentreffen in Nürnberg gesehen, dennoch musste ich sie mir nochmal näher ansehen. Allein die Aufmachung der Instrumente, die selbst zusammen gebastelt aussehen, das legere Auftreten der kompletten Band und Pengs, die kaputten Schuhe, zerschlissenen Hosen und abgeranzten Caps… einfach eine Band zum verlieben! Dazu kommen instrumental perfekt arrangierte Rhythmen – eine musikalische Glanzleistung auf allen Ebenen – ein Frontrapper mit Flow, Charme, intelligenten Texten und einer Eloquenz, die ich schon lang nicht mehr gesehen habe und durchweg gute Laune bei allen auf der Bühne! Was will man eigentlich mehr? Auf jeden Fall ein “must have seen!”

Danach spielten die diesjährigen Emergenza Gewinner MELANCHOLIA. Die italienische Band ist… naja… nennen wir es gewöhnungsbedürftig. Zumindest kann ich sagen, dass es absolut nicht meinen Geschmack trifft. Musikalisch waren sie durchaus gut, jede_r auf der Bühne beherrscht sein/ihr Instrument, aber das viele Rumgeweine, auf dem Boden Gewälze und die ganze Theatralik der Sängerin ist eben einfach nichts für mich.

Und was war wohl für mich das Highlight an diesem Wochenende? Wenn man das Line-Up kennt bleibt eigentlich nur eine Antwort! Die unglaublichen, großartigen, absolut genialen HOT WATER MUSIC!!! (Liebe Leser_innen, stellt euch an dieser Stelle ein großes Feuerwerk vor, dass meine Aussage zu dieser Band bildlich untermauern soll! Am besten fliegen dazu noch Feen durch die Gegend und werfen mit Glitzer, während Einhörner gönnend mit den Hufen stampfen). HOT WATER MUSIC haben sich 1994 bereits gegründet, damals war ich leider erst 3 und verstand nicht was gute Musik bedeutet, aber mittlerweile begleitet mich die Band nun fast 2 Jahrzehnte meines Lebens und ich kann mir ihre Songs nicht mehr wegdenken. Mindestens 1 mal am Tag läuft Musik dieser Band und ich kann es mir gar nicht mehr anders vorstellen. Die Stimmen von Chuck Ragan und Chris Wollard sind einfach einmalig und das Gefühl, dass die beiden in ihren Post-Hardcore/Punk Songs verpacken unverkennbar. Und das zieht sich durch all ihre Alben, EPs und Live-Auftritte. Ja, bei dieser Band bin ich definitiv ein Fangirl!

Anschließend spielen die BROILERS. Mittlerweile habe ich diese Band im Laufe meiner Konzertgeschichte vermutlich um die 10-20 Mal gesehen. Man kann absolut nichts gegen ihre Live-Show sagen. Etwas besonderes hatten die BROILERS dieses Jahr aber dennoch dabei. Und zwar Chuck Ragan! Die Verwunderung war unendlich groß als Chuck Ragan zusammen mit den Broilers Cigarettes & Whiskey gesungen hat (für alle, die das Lied nicht kennen, zum ersten Mal veröffentlich wurde das Lied im Jahr 1947 von Tim Spender, seitdem gibt es unzählige Versionen dieses Liedes, unter anderem auch eine Cover-Version von den BROILERS). Ein wunderschöner Moment.

In diesem Jahr durften MARTERIA das Festival abschließen. Schön zu sehen war, dass sein Background-Rapper nun ganz vorne stehen darf. Er steht Marteria selbst wirklich in nichts nach und ist ein großartiger Solist. Auch die Backgroundsängerinnen sind alle drei fantastisch und absolut herausragend! Bei dieser Besetzung kann man einfach kein schlechtes Wort verlieren. Über die Musik von MARTERIA kann man allerdings streiten, zumindest meiner Meinung nach. Mir wurde das Ganze über die Jahre hinweg etwas zu eintönig. Dennoch gute Show.

Alles in Allem kann man über das Taubertal sagen, dass es wohl eines der schönsten Festivals Bayerns ist und bleibt. Das Gelände, das Line-Up, die Menschen und die Organisation sind einfach top. Für mich in jedem Jahr ein Muss und ein “must have seen” für alle Festivalliebhaber_innen.

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Dieser Beitrag wurde am von Anna veröffentlicht • Kategorie: Konzert Reviews • Tags: , , , , , , , , ,






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