Im Gespräch: Zoo Escape

ZooEscape BandfotoZoo Escape sind eine junge Punkband Anfang ihrer 20er, die Ende 2015 ihre immer noch aktuelle Scheibe “Apart From Love” veröffentlicht hat. Seitdem kommt man um die Truppe, zumindest in ihrer Münchner Homebase, kaum herum. Zeit endlich mal ein paar Fragen an Zoo Escape zu stellen.

Ihr kommt ja aus München, einer Stadt die jetzt weniger für ihre eingefleischte Punkszene bekannt ist, dafür umso mehr für ihre Bussi-Bussi-Gesellschaft. Schon klar, Schubladendenken, alle über einen Kamm scheren und so. Natürlich steht München nicht nur für schick und teuer. Aber: Wie gut gehen Schickeria und Punkrock eigentlich zusammen?

Ich denke überall, aber gerade in Gegenden, welche durch geldige Szenen bestimmt werden, wird es Menschen geben, die mit diesem Ausschlussverfahren ein Problem haben. Dafür war Punk immer ein guter Katalysator, egal ob in München, Oberhausen, Castrop-Rauxel oder New York City.

Ist zahlungskräftiges Klientel für eine Band vielleicht sogar von Vorteil? Seien wir doch mal ehrlich. Es ist ein Traum in einer Band zu spielen und es macht Spaß. Aber am Ende des Tages kommt es doch – zumindest auch – darauf an möglichst viele Platten und anderen Merch an die Frau oder den Mann zu bringen. Da ist doch der ein oder andere gut betuchte Zuhörer sicherlich nicht abträglich, oder?

Den Unterschied zwischen München und anderen Städten merkt man tatsächlich nicht so sehr. Es ist eher Stadt versus Land. In den Städten gibt es jede Woche zehn Punk Shows, da ist man satt. Wir sind in Großstädten aufgewachsen, die Liebe zu ländlichen Regionen und das aufregende Leben haben wir erst durch das Touren entdeckt mit all den spannenden Konzerten, all den schönen Erinnerungen; und zuletzt: „Kaufkraft und Spaß am Punk, es gibt kein ruhiges Hinterland!“ Den Spaß am Punk gibt es aber natürlich auch an den Städten.

Um noch kurz beim Thema Vorurteile und Schubladendenken zu bleiben. Teile von Euch sind optisch schon eher auffälligere Persönlichkeiten und nicht das was ich als einen grauen und durchsichtigen Menschen bezeichnen würde. Von anderen Musikern habe ich schonmal gehört, dass sie sich an der Supermarktkasse dumme Sprüche anhören mussten – weil sie optisch aus der breiten Masse hervorgestochen sind. Hattet Ihr schonmal Probleme mit Anfeindungen aufgrund Eures Auftretens?

Die Anfeindungen gab es (früher) besonders in Form von wöchentlichen Polizeikontrollen. Aber die Anfeindungen, egal in welcher Form, sind nur eine Seite der Medaille. Es gibt da auch viel Anerkennung oder zum Beispiel freundliche Kommentare von Omas, die die gleichen lila Haare auf dem Kopf tragen. Letztens war es ein Familienpapa mit zwei kleinen Kids, der einen von uns beim Traubenaussuchen im Supermarkt aufgrund des Aussehens wiedererkannt und aufs letzte Konzert positiv angesprochen hat.

Um noch ein bisschen philosophisch zu bleiben: Wofür stehen “Zoo Escape”? Ich meine damit nicht den Bandnamen, sondern: Was ist Euch wichtig? Wofür brennt Ihr?

So blöd es auch klingen mag, erstmal geht es um den Spaß, den wir miteinander haben, und um die Freude und die Eskalationen, die wir mit dem Publikum erleben können. Wir waren aber auch immer davon überzeugt, dass Kultur eine Waffe ist, eine Waffe zur Verständigung, aber auch um Brüche darzustellen. It’s all about poetry, ob es um den persönlichen Herzschmerz, extreme Räusche oder darum geht, dass vor der eigenen Nase Menschen klassifiziert und ausgegrenzt werden. Neben unserem Spaß verarbeiten wir viel bei Zoo Escape und hoffen, dass es Leuten mit unserer Musik ähnlich geht.

Lasst uns mal auf die Anfänge von Zoo Escape zurück kommen. Eure letzte Scheibe “Apart From Love” habt Ihr gleich über drei Labels, Still Unbeatable Records, Schlecht & Schwindlig sowie Sick Night Records, veröffentlicht. Viele Bands machen ja, gerade in den Anfangsjahren, bewusst vieles in DIY Manier selbst. Seid Ihr gezielt auf die Suche nach Plattenlabels gegangen? Was habt Ihr Euch von diesem Schritt erhofft?

In erster Linie ging es uns darum, mit guten Freunden zusammen zu arbeiten, deren Input und Hilfe wir sehr schätzen. Die Platte haben wir trotzdem selbst produziert, arbeiten aber einfach in einem größeren Kollektiv zusammen.

Soweit ich weiß studiert der Großteil von Euch. Da lassen sich Bandproben und Touren in aller Regel ganz gut mit dem Studentenleben verbinden. Habt Ihr schon einen Plan für die Zeit danach? Was passiert wenn einer von Euch in eine andere Stadt oder ein anderes Land gehen sollte? Oder lasst Ihr alles einfach auf Euch zukommen?

Da triffst du ins Schwarze. Wir verabschieden uns gerade von unserem Gitarristen David, der aufgrund seines Studiums wegzieht. Aus diesem Anlass haben wir übrigen uns zusammengesetzt und haben uns die Frage gestellt, wie wir zur Band stehen. Das Resultat war: komme, was da wolle, wir wollen weitermachen und stellen Zoo Escape ganz vorne an.

Inzwischen habt Ihr Euch in und um München herum einen Ruf als sehenswerte Live-Band erspielt. Wie schwer ist es den Sprung über die Stadtgrenzen hinaus zu schaffen und auch weiter weg, oder sogar im Ausland an Shows zu kommen und dort dann auch noch Publikum zu ziehen? Hier in München habt Ihr Euren Freundes- Bekannten und Fankreis. Außerhalb wohl eher weniger. Ich stelle mir das ziemlich schwer vor.

Das ist alles eine Frage des Netzwerkens und Organisierens und somit, ja, schwierig. Aber wir spielen wahnsinnig gerne und kommen überall hin, wo uns eine Bühne angeboten wird; und dann gilt ein Grundsatz: egal ob eine Person oder Tausend da sind, das soll ein Abend werden, den die Leute nicht vergessen und dafür gibt jeder alles. In jedem Fall fällt dem ein oder anderen Zuschauer noch drei Wochen später Konfetti aus der Kleidung.

Mit “Phil” habt sogar einen Band-Manager. Für eine Punkband ist das ja schon fast unerhört. Und für eine junge Band umso mehr. Größenwahn? Perfektionismus? Oder was hat euch zu diesem ungewöhnlichen Schritt bewogen?

Phil wird es freuen, dass bei allem, was wir machen, er als unerhörtes Skandalon wahrgenommen wird. In Wahrheit ist es jedoch so: Phil war und ist einer unserer allerbesten Freunde und hat über lange Zeit, durch seine Erfahrung (Gumbabies), so viel bei allem möglichen mitgeholfen, dass wir irgendwann ausgesprochen haben, was eh schon klar war: „Phil, du bist der sechste Mann, Phil, du bist der Coach.“

Welche Aufgaben übernimmt Euer Coach genau für Euch?

Wie schon gesagt, wir arbeiten im Kollektiv, Malte (Still Unbeatable Records) ist ja auch da an Bord. Und dann geht es stets darum, wasals nächstes ansteht. Phil und Malte fallen aber besonders durch eine Gabe auf: Hartnäckigkeit. T-Shirts bis nächsten Mittwoch gedruckt haben? Das ist unmöglich? Nicht wenn Coach Zero und Magic Malte jede Druckfirma der BRD kontaktieren und traktieren, bis die Telefone rot glühen.

Angenommen Ihr dürftet Euch wünschen wie es mit Zoo Escape weitergeht. Was würdet Ihr Euch erhoffen?

Fame & Fortune, das heißt: nie wieder trockene Brezen und schimmlige Trauben im Backstage. Oder überhaupt manchmal einen Backstage Bereich. Aber ganz allgemein, international unterwegs sein und weiterhin mit Idolen von uns spielen zu können, wie SLF oder TV Smith.

Viele Punkbands träumen davon mal im Ausland, zum Beispiel in Großbritannien, eine Tour zu spielen. Wie ist das bei Euch? Habt Ihr da auch Träume? Oder sogar schon konkret was geplant?

Tatsächlich planen wir da gerade einiges, möchten aber noch nichts verraten. Das ist aber natürlich unser Traum und deswegen arbeitet Zoo Escape hart daran, diesen zu erfüllen. Wenn der Anruf kommt, sind wir bereit und packen sofort das Konfetti und Haarspray, die Schminksachen und unsere Lieblings- France Galle -Alben zusammen und fahren los.

 



Dieser Beitrag wurde am von Fabian veröffentlicht • Kategorie: Interviews • Tags:






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