Rückblick: Open Air am Berg bei Eichstätt 2017

Vor 25 Jahren fand das erste Open Air am Berg statt. Seitdem gilt es als eines der größten, beliebtesten und besten Festivals in der Region. Nachdem es letztes Jahr leider ausgefallen ist, wurde es 2017 endlich wieder laut am Berg. Zum Jubiläum gab es einige Veränderungen:

Zum Ersten wurde es kleiner. Statt 8000 Tickets gab es dieses Mal nur 4500. Dafür war es aber auch ausverkauft! Zum Zweiten gab es eine kleine Zweitbühne. Dort hatten weniger bekannte Künstler während den Umbaupausen auf der Hauptbühne die Möglichkeit, sich auf der kleinen, sogenannten “Elephant Stage” etwas bekannter zu machen und den Besuchern die Wartezeit zu vertreiben. Die Bühne war in einem Zelt aufgestellt und liebevoll mit Teppichen, Sofas, alten Fernsehern und anderen Dingen gestartet. Somit wurde eine wunderschöne, gemütliche und fast schon wohnzimmerartige Atmosphäre erschaffen. Außerdem fand ich die Idee toll, dass die Spielzeiten dort immer während der Umbaupause waren, denn so hatte man immer etwas zu sehen.

Am Freitag wurde die Hauptbühne von der Band SNU:MeN eröffnet. Ihr Punk-Rock mit Hardcore-Einflüssen brachte schon mal einen fetzigen Start in das Festival. Danach ging es mit Amplified Hate weiter mit Hardcore, bis Erwin & Edwin mit einer Mischung aus Jazz, Electro und Ska einen ordentlichen Stilwechsel vollbrachten. Doch gleich danach präsentierten Annisokay wieder einen richtig kraftvollen Hardcore-Punk-Metal-Mix. Mit 16 Jahren Bandgeschichte im Lebenslauf gab es bei Massendefekt kraftvollen Punk-Rock, bevor Che Sudaka aus Barcelona mit Reggae, Ska und Hip-Hop die Tanzbeine herausforderten. Danach kam die für mich wohl spannendste Band des Festivals: The Red Paintings. Die australische Art-Rock Band schaffte mit orchestralen Klängen, vermischt mit Experimental-Rock, Indie-Pop und teilweise auch Metal-Sound eine Atmosphäre, die wirklich nicht viele Bands erschaffen können. Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht genau welche Genres die fünf Musiker noch in ihren Stil eingefasst haben, aber eins ist klar: Es war ein höchstinteressantes Erlebnis, sie zu hören und zu sehen! Den Abschluss des Freitags machte die italienische Skacore-Band NH3, auf dem Zeltplatz lustigerweise auch gerne Ammoniak genannt. Ska, Punk, Hardcore, Reggae; das hatten sie alles im Gepäck und forderten zu später Stunde nochmal alles von den Tänzer*innen.

Der Samstag wurde, wenn man wollte, mit einem Weißwurstfrühstück eröffnet, begleitet von der Dollnsteiner Blaskapelle. Danach ging es dann mit Reynard and the Raven weiter, die 70er Jahre Bluesrock spielten. Drown in Grace brachten eine teils melancholische, teils aggressive, und auf jeden Fall kraftvolle Kombination aus Alternative-Rock und Modern-Metal auf die Bühne. Anschließend gab es den Alternative-Rock der schwedischen Senkrechtstarter Gain Eleven auf die Ohren. Sehr überzeugend fand ich auch die Metalcore-Gruppe Stonem, die den heißen Nachmittag schön laut und kraftvoll vertont hat. Die belgische Band Jaune Toujours lieferte eine bunte Mischung aus Balkan, Gypsy und Rock ab und danach ballerten Dust Bolt ihren Thrash Metal auf die Bühne. Eine 40-jährige Bandgeschichte scheint Slime kein bisschen Energie genommen zu haben. Mit dieser fünfköpfigen Band kam ein wahrer Punk-Klassiker auf den Berg und hat für richtig viel Spaß gesorgt. Von der Asian Dub Foundation gab es energiegeladene, tanzbare elektonische Musik, beeinflusst von traditioneller indischer Musik und mit Einflüssen von Hip-Hop, Punk-Rock und Reggae. Und wie so oft (und das ist ja gerade das schöne) erneut ein starkes Kontrastprogramm. Mit Rage folgte darauf nämlich feinster Power-Metal: laut, kraftvoll, gut. Und tatsächlich war es dann auch schon vorbei, denn die letzte Band des Samstages, Gypsy Hill musste aufgrund eines sehr starken Unwetters leider gestrichen werden. Ist zwar schade, aber alles andere hätte keinen Sinn gemacht. Der Sturm wütete auch am nächsten Tag noch. Einige Zelte haben’s überlebt, andere nicht. Glücklicherweise wurde aber niemand verletzt.

Die ganze Atmosphäre beim Open Air am Berg war einfach super. Es war entspannt und dann wieder voller Energie. Es war spaßig und wahnsinnig interessant.

Über die Elephant Stage hab ich im Nachhinein auch viel schlechtes gelesen; beispielsweise, dass sie “total unnötig” war. Der Meinung bin ich absolut gar nicht. Sie ist eine tolle Idee – sowohl für die Künstler, als auch für die Besucher. Ich selbst hatte dieses Jahr das Glück, aus beiden Perspektiven Erfahrungen zu sammeln. Wir hatten mit Schaurig Schön bis jetzt immer nur vor einer Handvoll Leuten gespielt, doch hier war das Zelt selbst bei uns voll. Hier noch das Lineup der Elephant Stage: Am Freitag gab es einen Jonglage Workshop, später Reggae-Groove, bzw. Sinti-Jazz von Django Charango und danach Singer/Songwriter-Punk mit Schaurig Schön. Zum Schluss fand dann auch noch eine eindrucksvolle Feuershow statt. Am Samstag wurde ein Getränke-Yoga veranstaltet und danach gab es Kindermusik von Rodscha und Tom. Bei Samuel Kaputt gab es Akustik-Rock und Schaumbad brachten ihren P Punk auf die Bühne. Bernhard Hollinger machte Ambient-Noise-Improvisationen, Rev Maki hatten Bass und Breaks im Angebot und zum Ende des Tages gab es Analogue Sounds & Digital Beats with Ethnic Punch von Digital Yatra und House/Disco/Downtempo von Oldmill_Vibes.

Zum Abschluss kann ich nur sagen: Es war wieder wunderschön beim Open Air am Berg! Das Lineup war äußerst abwechslungsreich, sodass eigentlich alle etwas für sich finden konnten. Die Entscheidung weniger Tickets zu verkaufen war meines Erachtens auch gut. So ist die Sache vermutlich ein ganzes Stück entspannter. Ich finde, die Veranstalter und Helfer haben dieses Jahr alles richtig gemacht und sie haben sich definitiv ein großes Lob verdient. Ich hatte am Wochenende vom 2. & 3. Juni viel Freude auf dem Open Air am Berg und freue mich schon sehr auf die kommenden Jahre.

 



Dieser Beitrag wurde am von Matjes veröffentlicht • Kategorie: Konzert Reviews






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