Rainer von Vielen – Überall Chaos

Am 22.Februar waren die Könige des Bastard-Pop aus Kempten in der wunderschönen MUZ in Nürnberg zu Gast. Mit einer großen Portion Humor, einem Messbecher voll lyrischer Meisterleistungen, einem Teelöffel Professionalität und einer Prise Schweiß wurde hier ein Festmahl kredenzt, welches sich ohne Zweifel als seine 5 Sterne verdient hätte.

Mit den Mengenangaben darf man es natürlich nicht zu genau nehmen. Rainer von Vielen beherrschen nämlich ihr Handwerk in allen Bereichen.

Zu Beginn kam erst einmal der neue Schlagzeuger der Band auf die Bühne und trug einen lustigen Monolog über Musiker, ihr Verständnis von Stimmung und den kollektiven anstehenden 40. Geburtstag aller Bandmitglieder vor. Weshalb sie genau aus diesem Grund auch viel zu alt wären um auf Stimmung zu warten, sondern diese von Anfang vorhanden sein sollte. Anschließend wurde jeder Musiker von einem “Roadie” mit einer kleinen Taschenlampe zu seinem Instrument geleitet, da “Musiker zu blöd sind, die sonst zu finden”.

Das Konzert selbst war musikalisch eine Meisterleistung. Jeder auf der Bühne beherrscht bei dieser Band sein Instrument und weiß genau was er damit tut. Die Lead-Vocals sind nicht nur durch die unbeschreibliche Stimme derart einzigartig, sondern auch, weil der gute Rainer einfach genau weiß, wie er sie zu beherrschen hat. Auch die Backing-Vocals waren tonal gut, jedoch (und das ist nicht der Band anzukreiden) stellenweise zu laut. Leider machte mich die Tontechnik im Allgemeinen nicht sonderlich glücklich, da an vielen Stellen kein Hall auf die Stimme gelegt wurde und immer wieder Vocals und/oder einzelne Instrumente das Klangspiel dominierten. Jedoch ist DAS definitiv jammern auf hohem Niveau. Mitten im Set brachte Rainer noch ein kleines Solo-Experimentier-Spiel mit ein, was für mich gänzlich unnötig erschien, jedoch Anderen im Publikum zu gefallen schien und zugegenermaßen technisch großes Kino war.

Die Songauswahl für das Konzert fiel aus meiner Sicht im Gesamtkonzept etwas zu ruhig aus. Zwar spielten Rainer von Vielen ihre Klassiker wie “Empört euch Wir”, “Tanz deine Revolution” und “Mein Block”, blieben im Großen und Ganzen jedoch eher bei ihren zurückhaltenden Songs. Gänzlich vermisst habe ich beispielsweise “Asche zu Asche”, einen alltime favourite meinerseits. Die neuen Songs vom frisch veröffentlichten Album “Überall Chaos” verdienen auf jeden Fall auch fernab von den vielen Klassikern Rainer von Vielens, ihre ganz eigene Anerkennung. Auch wenn mit “Divan” versucht wurde eine ganz andere Musikrichtung mit einfließen zu lassen (hat ein bisschen was von Bollywood) und diese wohl nicht überall gut ankommt, ist der Song ziemlich gut. Wobei mich “Wir kümmern uns”, “Der größte Tag” und auch “Rainerize a riot” wesentlich zufriedener stellten (hier würde sich eine ganze CD-Rezension anbieten, wobei ich das Ganze mit einem “Meine Güte, was für ne geile Platte!” abkürzen kann). Das nächste Mal würde ich mir ein bisschen mehr von den tanzbaren Songs wünschen.

Ein Kompliment geht noch an die Organisation in der MUZ selbst raus. Sowohl Einlass, als auch Garderobe wurden großartig gemanaget, es war ausreichend Barpersonal vorhanden und man musste nirgends lange warten. Etwas, was es kaum noch in Nürnberg gibt. Eine rundum schöne Location mit freundlichen Mitarbeiter_innen und gemütlicher Atmosphäre. Kann man immer wieder nur empfehlen.

 



Dieser Beitrag wurde am von Anna veröffentlicht • Kategorie: Tonträger Reviews • Tags:






Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>


Adolescents Alte Sau Anti Flag Barb Wire Dolls Cancer Carl Bârat Deadly Sins Disco Ensemble Donots Dropkick Murphys Eastfield Egotronic Ein Gutes Pferd Feine Sahne Fischfilet Flogging Molly Garden Gang Get Dead Grape Harry Gump Hounds & Harlots Itchy Poopzkid Johnossi Justin Sane KMPFSPRT Koeter Kotzreiz Love A Misconduct Mr. Irish Bastard MxPx Neon Bone No Fun Pascow Peppone Radio Havanna Rantanplan Raptus Rather Raccoon Schluss mit Lustik Schrappmesser Selling Our Weaknesses Spring Offensive Stereo Dynamite Templeton Pek Terrorgruppe The Baboon Show The Offenders The Prosecution The Scandals The Sensitives The Sounds The Toten Crackhuren Im Kofferraum The Uprising TV Smith Voodoo Healers